27.2.2026: Doppelt hält besser: Lancaster schießt die Eisbären zum 5:2-Arbeitssieg gegen Iserlohn

Manchmal reicht im Eishockey ein kleines Zeichen, um die Laune wieder in Richtung Optimismus zu schieben. Zum Beispiel, wenn die Eisbären Berlin nach einer eher… nennen wir es „pädagogisch wertvollen“ Vorstellung plötzlich wieder daran erinnern, dass sie eigentlich ziemlich gut Eishockey spielen können. Der 5:2-Heimsieg gegen die Iserlohn Roosters war sicher kein Hochglanzprospekt für die Saison-Rückblick-DVD, aber er hatte etwas sehr Beruhigendes: Punkte. Und er hatte etwas noch Beruhigenderes: Les Lancaster – und zwar gleich im Doppelpack.

Nach der enttäuschenden Nummer gegen Straubing war klar: Das hier sollte Wiedergutmachung werden. Serge Aubin stellte fleißig um, rotierte, mischte Reihen wie ein DJ um drei Uhr morgens und bekam zumindest die gewünschte Reaktion. Berlin wollte von Beginn an das Spiel in die Hand nehmen, die Scheibe lief ordentlich durch die eigenen Reihen – nur das Toreschießen war zunächst wieder so ein Thema. Präzision ist eben manchmal nicht Standardausstattung, sondern eher ein kostenpflichtiges Upgrade mit Lieferzeit.

Im ersten Powerplay des Abends zeigte sich dann aber: Qualität ist schon da. Die Scheibe zirkulierte, Iserlohn zirkulierte eher hinterher, und am Ende knallte Marcel Noebels den Onetimer zur 1:0-Führung ins Netz. Alles gut, denkt man. Eishockey denkt aber selten so. Kurz vor der Pause kam erst eine überstandene Unterzahl, dann doch der Ausgleich: Christian Thomas bedankte sich am langen Pfosten, und zack – 1:1. Ein Klassiker: Stimmung weg, Pausentee schmeckt plötzlich nach „war ja klar“.

Das zweite Drittel begann dafür deutlich angenehmer. Liam Kirk schnappte sich die Scheibe, nahm Tempo auf und zog trocken zur erneuten Führung ab. Andreas Jenike durfte im Iserlohner Tor hinterherschauen – vermutlich mit dem Gedanken, dass das noch ein sehr langes Drittel werden könnte. Die Eisbären blieben dran, ließen aber weitere Treffer liegen. Und weil Berlin selten das Bedürfnis hat, einem Spiel frühzeitig die Spannung zu nehmen, musste man sich bei einer Roosters-Großchance samt Lattentreffer bedanken, dass der Vorsprung nicht wieder verdampfte.

Im Schlussabschnitt gehörte die Bühne dann Les Lancaster. Kaum war das Drittel angepfiffen, hämmerte der offensivfreudige Verteidiger das 3:1 ins Netz – endlich mal so ein Treffer, der nach Luft zum Durchatmen aussieht. Wobei: Wer die Eisbären kennt, weiß, dass „Durchatmen“ eher in die Kategorie „vage Idee“ fällt. Iserlohn verkürzte in Überzahl auf 3:2, und schon war das Nervenflattern wieder da – traditionell serviert mit einem leicht erhöhten Puls auf den Rängen.

Doch Lancaster hatte an diesem Abend offenbar beschlossen, das Thema „Entspannung“ selbst zu regeln. Mit seinem zweiten Treffer stellte er den Zwei-Tore-Abstand wieder her. Ein Verteidiger mit Doppelpack – da dürfen sich manche Stürmer ruhig einmal kurz fragen, ob sie aus Versehen die Trikots vertauscht haben. Spätestens da war klar: Wenn es spielerisch nicht immer filigran ist, dann eben mit Nachdruck und einem Schuss, der wahrscheinlich noch in Marzahn zu hören war.

Iserlohn versuchte in der Schlussphase alles, nahm den Goalie runter und setzte auf das Prinzip Hoffnung. Das ging – wie es bei diesem Prinzip gerne passiert – schief. Mit der Schlusssirene schob Markus Vikingstad die Scheibe ins verwaiste Tor und machte den Deckel drauf. 5:2, Arbeitssieg, einmal kollektiv ausatmen (sofern man das als Eisbären-Fan überhaupt noch kann).

Perfekt war das natürlich nicht. Das Powerplay bleibt eine Baustelle, die Defensive hat gelegentlich kreative Ausflüge ins Abenteuerland, und der Puls der Fans dürfte sich eher im Intervalltraining befunden haben als im Ruhebereich. Aber die Tore fielen zu den richtigen Zeitpunkten, die Reaktion nach dem Straubing-Spiel war sichtbar, und im Kampf um Platz sechs lebt die Hoffnung. Der Rückstand auf Bremerhaven ist minimal – und ausgerechnet dort geht’s als Nächstes hin.

Vielleicht war genau das der Abend, den die Eisbären gebraucht haben: kein Gala-Auftritt, sondern ein ehrlicher Arbeitssieg mit einem Verteidiger, der plötzlich Stürmer spielt. Wenn Les Lancaster solche Abende jetzt regelmäßig einstreut, darf es gern öfter 5:2 heißen. Und wer weiß: Vielleicht wird aus dem Arbeitssieg ja doch noch eine kleine Serie. Berlin hätte sicher nichts dagegen – und die Fans würden es ihrem Blutdruck zuliebe vermutlich auch nehmen.

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