1.3.2026: 1:3 gegen Bremerhaven: Der sechste Platz fährt schon mal ohne die Eisbären weiter
Es gibt Spiele, die sind so wichtig, dass man sie am liebsten mit drei zusätzlichen Pucks, einem Glückskeks und dem „Quäntchen“-Schalter auf Maximum bestreiten würde. Genau so ein Spiel war dieses direkte Duell um Platz sechs gegen Bremerhaven – und genau da haben die Eisbären Berlin am Sonntagnachmittag einen Rückschlag kassiert: 1:3, vier Punkte Rückstand, und das Szenario „Pre-Playoffs“ winkt schon von weitem wie ein gut gelaunter Ordner am Eingang: „Hier entlang, bitte.“
Dabei war der Rahmen eigentlich wie gemacht für einen dieser Tage, an denen in Berlin alles zusammenpasst: große Emotionen, Gänsehaut vor dem ersten Bully, und eine Arena, die sich erst feierlich und dann hoffnungsvoll aufgeladen hat. Florian Busch – die ehemalige Nummer 26 – wurde geehrt, sein Trikot unter das Arenadach gezogen, Videogrüße, Reden, Erinnerungen an den Overtime-Moment in Köln, der damals eine ganze Halle verstummen ließ. Und natürlich auch diese typische Busch-Note: am Flughafen gefühlt noch komplett in Montur, nur ohne Schlittschuhe. Wer so eine Legende ehrt, will danach eigentlich ein Heimspiel gewinnen. Betonung auf „eigentlich“.
Denn das Spiel lieferte sehr schnell den klassischen Eisbären-Plot dieser Saison: Du bist gerade noch emotional am Nachglühen, da steht’s plötzlich 0:1. Keine zwei Minuten waren runter, Bremerhaven trifft – und weil das Leben manchmal ironisch ist, macht’s auch noch ein Ex-Eisbär: Nino Kinder. Bremerhaven kam mit aggressivem Forechecking raus, als hätten sie irgendwo gelesen, dass Berlin heute besonders gern Zeit und Raum zum Nachdenken hätte. Gab’s aber nicht.
Die Eisbären brauchten erst mal Luft – und ein Powerplay als Inhalator. Das half: Berlin kam rein, setzte sich fest, hatte Chancen. Nur: vor dem Tor wurde es zu kompliziert, so als müsste erst ein Antrag ausgefüllt werden, bevor man schießen darf. Und wenn man dann doch mal durchkommt, steht da eben Kristers Gudlevskis und macht den Eindruck, als hätte er die Berliner Abschlussideen schon am Frühstückstisch durchgesprochen.
Und dann passierte das, was in solchen Spielen so weh tut: Du bist eigentlich dran, du drückst, du suchst den Ausgleich – und kassierst stattdessen das 0:2. C.J. Smith erhöhte in der 13. Minute per Konter, Nackenschlag inklusive. Immerhin: Berlin antwortete. Bei angezeigter Strafzeit lief der Puck einmal so, wie er laufen muss, wenn’s schnell und direkt wird: Noebels findet Pföderl, Pföderl steht da, wo Pföderl gerne steht, und schiebt zum 1:2 ein (15.). Genau diese Sequenz war der Beweis, dass es geht – nur eben leider zu selten über 60 Minuten.
Wichtig war danach auch, dass die Eisbären ein gefährliches Bremerhavener Powerplay überstanden. Jonas Stettmer hielt das Spiel offen – und das war zu diesem Zeitpunkt schon mehr als nur „nett“, das war Existenzsicherung. Denn Bremerhaven blieb bissig, Berlin blieb bemüht, und das Spiel blieb… sagen wir: körperbetont mit Extras.
Im zweiten Drittel kam dann der Moment, der dir als Heimteam in so einem Spiel eigentlich die Tür aufstoßen muss: Christian Wejse kassierte eine Spieldauerdisziplinarstrafe, Berlin bekam eine lange Überzahl. Drei Minuten, in denen man sich vorstellen konnte, wie der Ausgleich fällt, die Halle explodiert und Platz sechs plötzlich wieder ganz nah ist. Tatsächlich brachte man in dieser Phase zwei gefährliche Schüsse zustande. Zwei. Wenn man das auf ein Restaurant überträgt, ist das ungefähr so, als würdest du „All you can eat“ buchen und am Ende zwei Pommes essen.
Berlin erhöhte danach zwar den Druck, arbeitete, schoss, suchte. Aber entweder sprang die Scheibe immer genau dahin, wo sie nicht hilfreich ist, oder die Abschlüsse waren zu durchschaubar. Bremerhaven dagegen hatte das, was man in solchen Spielen braucht: effizientere Special Teams. Sie nutzten ihr Powerplay – und stellten auf 3:1. Miha Verlic war im Gewühl vor Stettmer am schnellsten (34.). Ein bisschen glücklich im Abpraller-Universum? Möglich. Aber Glück kommt selten zu Teams, die es nicht provozieren – und genau das tat Bremerhaven an diesem Tag schlicht besser.
Dazu kam: Die Gäste spielten hart an der Grenze, teils drüber, teils so, dass man sich als Zuschauer fragt, ob „unsauberes Arbeiten“ inzwischen ein offizieller Coaching-Punkt ist. Es wurde viel gerangelt, viel gestochert, viel diskutiert – und Bremerhaven sammelte dabei ordentlich Sympathiepunkte… nur halt nicht bei den Leuten, die es mit Berlin halten.
Im letzten Drittel blieb Berlin das aktivere Team. Man warf viel nach vorn, aber Gudlevskis bekam bei vielen Schüssen freie Sicht, und wenn ein Torwart freie Sicht hat, ist das in etwa so fair wie ein Mathetest, bei dem die Aufgaben schon gelöst auf dem Blatt stehen – für ihn. Bremerhaven verteidigte clever, sorgte zwischendurch per Powerplay für Entlastung, und Berlin rannte gegen eine Wand, die nicht spektakulär aussah, aber genau das tat, was Wände eben tun: nichts durchlassen.
Als Serge Aubin 3:24 Minuten vor Schluss Auszeit nahm und Stettmer vom Eis zog, war alles auf „Jetzt oder nie“ gestellt. Sechs gegen fünf, die große Aufholjagd, der klassische Schlussspurt. Nur kamen nicht diese Wellen an Top-Chancen, die du brauchst, wenn du ein Spiel drehen willst. Bremerhaven brachte das 3:1 souverän über die Zeit, nahm drei Punkte mit – und ließ die Eisbären mit der unangenehmen Rechnung zurück: Platz sechs wird gerade kleiner, die Pre-Playoffs werden gerade größer.
Unterm Strich war es ein Spiel, in dem man den Eisbären das Bemühen nicht absprechen konnte – aber genau das ist im März so ein bisschen wie „Er hat sich bemüht“ im Schulzeugnis: nett formuliert, aber du weißt, was gemeint ist. Berlin hatte Phasen, in denen es gut aussah, aber Bremerhaven war abgezockter, effizienter und in den entscheidenden Momenten einfach einen Tick konsequenter. Und dieser Tick ist im Kampf um Platz sechs gerade der Unterschied zwischen „wir greifen an“ und „wir rechnen nach“.
Und während die Nummer 26 jetzt verdient unter dem Arenadach hängt, bleibt für den Rest der Mannschaft die Aufgabe ziemlich bodenständig: weniger kompliziert, mehr Wucht, mehr Abschlussglück – oder zumindest so tun, als wäre das Quäntchen Glück irgendwo im Kader als Zwei-Wege-Stürmer gemeldet.
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