13.3.2026: Eisbären beißen Mannheim weg: 4:2, vierter Sieg in Serie und Platz sechs winkt immer frecher

Die Eisbären Berlin haben rechtzeitig zum Saisonendspurt offenbar den großen Schalter gefunden – und zwar nicht irgendeinen, sondern den für die besonders unangenehme Version ihrer selbst. Beim 4:2-Heimsieg gegen die Adler Mannheim feierten die Berliner den vierten Erfolg in Serie und untermauerten eindrucksvoll, dass sie mit Vollgas in Richtung direkte Playoff-Qualifikation marschieren wollen. Mannheim bekam das an einem Abend zu spüren, an dem Berlin zwar zwischenzeitlich einem Rückstand hinterherlaufen musste, insgesamt aber die aktivere, engagiertere und am Ende auch verdient siegreiche Mannschaft war.

Trainer Serge Aubin sah verständlicherweise keinen Grund, seine zuletzt erfolgreiche Formation anzufassen. Warum sollte man auch an einem Gebilde schrauben, das in Köln schon mit Leidenschaft, Disziplin und einer gehörigen Portion Sturheit geglänzt hatte? Gegen den Erzrivalen aus Mannheim sollte genau dieses Rezept erneut greifen – und das tat es. Für die Eisbären ging es schließlich nicht nur um Prestige, sondern um richtig wichtige Punkte im Kampf um Platz sechs. Während Mannheim beim Blick auf die Tabelle schon etwas entspannter den Viertelfinal-Heimvorteil im Gepäck hatte, stand für Berlin richtig viel auf dem Spiel. Die Ausgangslage war klar: Siegen, Druck hochhalten, träumen erlaubt.

Die Partie begann entsprechend intensiv. Beide Mannschaften legten los, als hätte jemand vor dem ersten Bully heimlich Espresso in die Trinkflaschen gemischt. Es ging zügig durch die neutrale Zone, Abschlüsse gab es auf beiden Seiten früh, die Torhüter waren also sofort im Arbeitsmodus. Nach sieben Minuten hatte die Arena dann erstmals Grund zum Jubeln: Eric Hördler setzte sich stark an der Bande durch, legte zurück auf Kai Wissmann, und der Berliner Kapitän nahm die Einladung dankend an. Mit zu viel Platz und zu viel Zeit – zwei Dinge, die man einem guten Schützen besser nicht gönnt – brachte er die Eisbären mit 1:0 in Führung.

Die Freude hielt allerdings nicht ewig. Mannheim antwortete prompt und kam durch Justin Schütz zum 1:1. Es war ein klassischer Fall von: Kaum sitzt man mal gemütlich auf der Welle des Jubels, kommt schon die nächste eiskalte Dusche. Die Eisbären blieben zwar spielbestimmend, kombinierten gefällig und zeigten phasenweise genau das Hockey, das man in Berlin so gerne sieht. Die Pässe liefen gut, die Adler wurden im Aufbau immer wieder gestört, und trotzdem war es Mannheim, das erneut zuschlug. Marc Michaelis brachte die Gäste mit 2:1 in Führung, obwohl die Berliner eigentlich mehr vom Spiel hatten. Effizienz ist eben manchmal der höfliche Bruder von Gemeinheit.

Auch ein Powerplay vor der Pause brachte den Eisbären zunächst nicht den Ausgleich. So ging es mit einem 1:2 ins erste Drittel, und man konnte sich schon kurz fragen, ob der Puck an diesem Abend vielleicht einen leichten Mannheimer Akzent hatte. Doch Berlin ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Im zweiten Abschnitt blieb das Heimteam dran, spielte geduldig und mit dem klaren Willen, das Spiel wieder zu drehen. Die Belohnung folgte in der 24. Minute, als Yannick Veilleux zum 2:2 traf und damit das zurück auf die Anzeigetafel brachte, was das Spielgefühl längst gesagt hatte.

Natürlich durfte in einem Spiel gegen Mannheim auch die rustikale Note nicht fehlen. Es wurde geschubst, gerangelt und diskutiert, kurz gesagt: ein ganz normaler Abend in diesem Klassiker. Manuel Wiederer und Leon Gawanke gerieten etwas intensiver aneinander, was schließlich für beide in einer fünfminütigen Zwangspause endete. Die Eisbären ließen sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil: Gerade in den Unterzahlspielen zeigte Berlin, warum diese Mannschaft aktuell so gefährlich wirkt. Mit viel Einsatz, guter Abstimmung und einem starken Jonas Stettmer im Tor wurden gleich mehrere brenzlige Situationen entschärft. Das war nicht spektakulär im Sinne von Glanz und Glamour, aber genau die Art von Arbeit, mit der man im Frühjahr weit kommen kann.

Als sich den Eisbären dann in den Schlussminuten des zweiten Drittels eine längere Überzahlchance bot, griffen sie eiskalt zu. Les Lancaster, inzwischen so etwas wie der neue Torjäger mit Verteidigerlizenz, traf zum 3:2 und drehte die Partie endgültig wieder in Berliner Richtung. Dass ausgerechnet Lancaster in dieser Phase traf, passte bestens zu einem Team, in dem aktuell jeder zu wissen scheint, wann er den nächsten wichtigen Schritt machen muss.

Im letzten Drittel war dann alles angerichtet für einen echten Nerventest. Mannheim kam druckvoll aus der Kabine und wollte den Ausgleich erzwingen, doch Jonas Stettmer hatte etwas dagegen. Der Berliner Schlussmann zeigte erneut eine starke Leistung und strahlte genau die Ruhe aus, die in solchen Phasen Gold wert ist. Nach und nach fanden die Eisbären wieder besser in ihr Spiel und suchten selbst die Entscheidung. Die Partie lebte nun vor allem von ihrer Spannung, jeder Fehler konnte entscheidend sein, jede gelungene Defensivaktion wurde mit wachsender Lautstärke auf den Rängen begleitet.

Als Mannheim im Schlussabschnitt noch einmal in Überzahl ran durfte, stieg die Nervosität naturgemäß weiter an. Doch auch diese Unterzahl überstanden die Berliner mit viel Herz und klarem Kopf. Je näher das Ende rückte, desto mehr musste Mannheim öffnen, und genau das spielte den Eisbären in die Karten. Als die Adler schließlich den Torhüter zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis nahmen, war die Bühne frei für Marcel Noebels. Der Berliner Routinier machte mit dem 4:2 alles klar und sorgte dafür, dass der Abend nicht nur erfolgreich, sondern auch herrlich entspannt endete – zumindest in den letzten Sekunden.

Unter dem Strich war das ein verdienter Sieg für die Eisbären, die aktuell genau den Eindruck vermitteln, den man kurz vor den Playoffs haben möchte: stabil, leidenschaftlich, unangenehm und mit wachsendem Selbstvertrauen. Vier Siege in Serie sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Mannschaft, die zur richtigen Zeit ihre Form findet. Der Traum von der direkten Viertelfinal-Qualifikation lebt damit nicht nur weiter, er klopft inzwischen ziemlich laut an die Tür. Und wenn die Eisbären so weitermachen, dürfte diese Tür schon sehr bald weit offenstehen.

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