15.3.2026: Eisbären buchen das Viertelfinale – und München durfte beim 5:1 nur kurz mal hallo sagen
Manchmal fühlt sich eine Hauptrunde an wie eine viel zu lange U-Bahn-Fahrt mit ständigem Halt zwischen Hoffnung, Frust und der Frage, warum das heute schon wieder so kompliziert sein muss. Für die Eisbären Berlin war genau das über weite Strecken der Saison der Fall. Doch pünktlich zum richtigen Moment haben die Berliner den Schalter gefunden, den Turbo gezündet und sich mit einem überzeugenden 5:1-Heimsieg gegen Red Bull München tatsächlich noch das letzte direkte Ticket für das Playoff-Viertelfinale gesichert. Fünf Siege in Serie, Platz sechs verteidigt und nun wartet mit den Straubing Tigers ein alter Bekannter. Langweilig wird es also ganz sicher nicht.
Dass Serge Aubin sein Line-up erneut unverändert ließ, war dabei ungefähr so überraschend wie eine volle Arena bei einem entscheidenden Spiel. Warum sollte man auch etwas ändern, wenn die Mannschaft zuletzt endlich wieder so wirkte, als hätte sie sich daran erinnert, was sie eigentlich alles kann? Die Eisbären spielten in den vergangenen Partien deutlich einfacher, konsequenter und vor allem unangenehmer für den Gegner. Genau dieser Stil war auch gegen München gefragt, denn die Gäste hatten selbst noch genug Gründe, um sich nicht zu schonen. Es ging schließlich ebenfalls um eine starke Ausgangsposition für die Playoffs.
Die Partie begann entsprechend intensiv. Beide Teams suchten früh den Weg nach vorne, beide wollten zeigen, dass sie heute nicht zum netten Sonntagslauf erschienen waren. Vor allem die Eisbären machten in der Anfangsphase ordentlich Betrieb vor dem Münchner Tor. Es fehlte zunächst nur das letzte bisschen Präzision bei den Abprallern, sonst hätte Berlin schon früh in Führung gehen können. Doch die Berliner blieben dran, arbeiteten hart, spielten geduldig und brachten die Scheibe immer wieder gefährlich Richtung Tor. Kurz vor dem Powerbreak wurde es dann auf beiden Seiten turbulent. München traf den Pfosten, Berlin im direkten Gegenzug ins Schwarze. Manuel Wiederer sorgte in der 10. Minute für das verdiente 1:0 und ließ die Halle spüren, dass heute vielleicht wirklich etwas Großes drin war.
Was den Auftritt der Eisbären bis dahin so stark machte, war nicht nur die Führung, sondern die Art und Weise. Da war Selbstvertrauen im Spiel, Struktur im Aufbau und Biss in den Zweikämpfen. Es wirkte nicht wie eine Mannschaft, die krampfhaft ein Ziel erreichen will, sondern wie eine, die plötzlich wieder genau weiß, wie sie Spiele kontrollieren kann. Die erste Überzahl kurz vor Drittelende brachte zwar keinen weiteren Treffer, aber auch so war das 1:0 nach zwanzig Minuten absolut in Ordnung.
Dann kam das zweite Drittel, und das wollte offenbar erst einmal testen, ob bei den Eisbären wirklich schon Playoff-Nerven vorhanden sind. Nur 43 Sekunden nach Wiederbeginn glich Chris DeSousa zum 1:1 aus. Als München kurz darauf auch noch vier Minuten in Überzahl spielen durfte, roch das Mitteldrittel kurz nach Ärger, Hektik und einem sehr ungemütlichen Nachmittag. Aber statt einzuknicken, zogen die Eisbären das genaue Gegenteil durch. In Unterzahl schnappten sie sich die Scheibe, fuhren einen Zwei-auf-Null-Konter und Freddy Tiffels vollendete nach Zuspiel von Liam Kirk zum 2:1. Unterzahl, Zwei-auf-Null, Führung zurückgeholt – das war nicht nur effektiv, das war auch eine sehr charmante Art, dem Gegner die Laune zu verderben.
Noch wichtiger war fast, was danach passierte. Die Berliner überstanden die lange Unterzahl schadlos und lieferten dabei Penalty Killing, das so entschlossen daherkam, als hätte jeder Einzelne beschlossen, heute privat für alle Schüsse verantwortlich zu sein. Die Arena war längst im Ausnahmezustand, und die Mannschaft spielte sich mit jeder gelungenen Aktion tiefer in einen Rausch. Als die Eisbären später selbst mit zwei Mann mehr auf dem Eis standen, blieb das 3:1 zwar zunächst noch aus, weil der letzte Pass nicht sauber genug kam. Doch im nächsten Powerplay machte Berlin es dann besser. Andy Eder drückte die Scheibe in der 37. Minute über die Linie und stellte auf 3:1. Spätestens da war klar: Diese Mannschaft wollte nicht bloß ins Viertelfinale, sie wollte die Tür eintreten.
Und weil es so schön lief, legten die Eisbären kurz darauf gleich noch nach. In der 38. Minute schloss Ty Ronning einen Zwei-auf-eins-Konter eiskalt zum 4:1 ab. Innerhalb weniger Minuten war aus einem Spiel auf Augenhöhe eine Partie geworden, in der Berlin plötzlich wie die deutlich reifere, giftigere und zielstrebigere Mannschaft wirkte. Während anderswo gerechnet wurde und Bremerhaven am Torverhältnis schraubte, erledigten die Eisbären lieber ihre Hausaufgaben selbst. Eine sehr vernünftige Entscheidung, denn auf fremde Hilfe zu hoffen, ist im Sport meistens ungefähr so entspannt wie ein Elfmeterschießen mit verbundenen Augen.
Im Schlussdrittel ging es dann vor allem darum, den Vorsprung sauber zu verwalten, Leidenschaft in die Defensive zu werfen und München keine echte Hoffnung mehr zu schenken. Genau das gelang. Die Berliner verteidigten ihre Unterzahlsituationen mit großer Konsequenz, Jonas Stettmer strahlte im Tor die nötige Ruhe aus und die Mannschaft arbeitete geschlossen gegen die Versuche der Gäste an. Viel Spektakel brauchte es in dieser Phase gar nicht mehr. Die Eisbären spielten reif, konzentriert und mit genau der Entschlossenheit, die in den Playoffs gefragt ist. München kam zwar noch zu Chancen, aber Berlin ließ nicht mehr zu, dass aus einem kontrollierten Nachmittag noch einmal ein Nervenkrimi wurde.
Dass am Ende sogar noch das 5:1 durch Yannick Veilleux in der 58. Minute fiel, passte perfekt ins Bild. Es war der letzte Stempel auf einen Nachmittag, an dem die Eisbären nicht nur gewonnen, sondern auch ein klares Signal gesendet haben. Diese Mannschaft ist rechtzeitig zum Start der entscheidenden Phase wieder da. Nach einer langen, wechselhaften und phasenweise ziemlich zähen Hauptrunde haben die Berliner ausgerechnet im richtigen Moment zu ihrem Spiel gefunden. Das Forechecking sitzt, die Reihen wirken eingespielt, das Penalty Killing funktioniert und die Mannschaft tritt wieder wie ein echtes Kollektiv auf. So unangenehm, so bissig und so geschlossen will man als Gegner kurz vor einer Playoff-Serie lieber nicht begegnen.
Die vergangenen fünf Spiele waren deshalb weit mehr als nur eine kleine Siegesserie. Sie waren eine Ansage. Die Eisbären haben gezeigt, dass sie wieder Eisbären-Hockey spielen können – dieses intensive, direkte, nervige, körperliche Spiel, das Gegnern Raum, Zeit und am Ende oft auch die Nerven raubt. Ob gegen Dresden, Köln, Mannheim oder nun München: Berlin wirkte plötzlich wieder wie eine Mannschaft, die weiß, dass sie im Frühjahr traditionell besonders ungern freiwillig Urlaub nimmt.
Jetzt geht es also gegen Straubing. Eine Serie gegen einen Gegner, den man kennt, gegen den es sicher intensiv wird und bei dem niemand auf die Idee kommen sollte, die Sache würde im Vorbeigehen erledigt. Aber mit dieser Form, diesem Schwung und dieser neuen Stabilität dürften die Eisbären für jeden Gegner ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse sein. Wer Berlin in diesem Zustand viermal schlagen will, sollte schon einen sehr guten Plan, starke Nerven und vermutlich auch ein bisschen Geduld mitbringen.
Fest steht: Das direkte Viertelfinalticket ist gesichert, das Selbstvertrauen ist zurück und die Hauptstadt darf sich auf Playoff-Eishockey freuen. Oder anders gesagt: Die Eisbären haben lange Anlauf genommen, sind jetzt aber mit voller Wucht in der heißen Phase gelandet. Und München bekam beim 5:1 sehr deutlich zu spüren, dass man Berliner eben nicht zu früh abschreiben sollte.
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