24.3.2026: Die Eisbären wachen in Straubing erst auf, als der Wecker schon fünfmal geklingelt hat

Das hatten sich die Eisbären Berlin zum Start ins Playoff-Viertelfinale ganz sicher anders ausgemalt. Mit fünf Siegen in Serie und einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen reiste der Titelverteidiger nach Straubing, vermutlich mit dem festen Vorsatz, sich direkt das Heimrecht zu schnappen. Stattdessen gab es am Pulverturm eine Lehrstunde, die in ihrer Deutlichkeit weh tat. Am Ende stand ein hochverdientes 1:5, und man kam nicht umhin, sich zu fragen, ob die Berliner versehentlich erst zum zweiten Bully im Stadion angekommen waren.

Serge Aubin sah zunächst keinen Grund, sein Line-up zu verändern. Verständlich, denn zuletzt lief es wieder rund, und mit Jonas Stettmer im Tor stand die erwartbare Lösung bereit, nachdem Jake Hildebrand verletzungsbedingt fehlte. Auf dem Papier sprach also durchaus einiges dafür, dass die Eisbären ordentlich in diese Serie starten würden. Auf dem Eis sprach nach nicht einmal zwei Minuten allerdings erst einmal nur noch Straubing.

Denn was die Berliner im ersten Drittel ablieferten, war weniger Playoff-Hockey und mehr ein Live-Experiment zur Frage, wie schnell ein Spiel komplett entgleisen kann. Nach 43 Sekunden traf Tim Fleischer zum 1:0, kurz darauf erhöhte Tyler Madden auf 2:0, und ehe man sich in Berlin sortieren oder wenigstens einmal tief durchatmen konnte, stand es durch Tim Brunnhuber schon 3:0. 1:57 Minuten waren gespielt, und die Eisbären hatten defensiv in etwa so viel Zugriff wie ein Tourist mit Stadtplan mitten im Kreisverkehr.

Zwar bot ein frühes Powerplay die Chance auf eine schnelle Antwort, doch die Verunsicherung war den Berlinern deutlich anzumerken. Straubing dagegen schwamm auf einer Welle aus Energie, Lautstärke und Spielfreude. Der Pulverturm machte seinem Namen alle Ehre, und die Tigers legten los, als hätten sie die Playoffs seit Wochen im Kalender rot angestrichen. Die Eisbären hingegen wirkten, als hätten sie gehofft, dass das Spiel vielleicht erst nach dem ersten Pausentee richtig beginnt.

Auch ein Fight zwischen Yannick Veilleux und Adrian Klein brachte eher zusätzliche Hitze in die Halle als Struktur ins Berliner Spiel. Straubing blieb klar überlegen, gewann die Zweikämpfe, fuhr gefährliche Konter und setzte Jonas Stettmer immer wieder unter Druck. Dass es nach dem ersten Drittel nur 0:3 stand, war aus Berliner Sicht fast schon die beste Nachricht dieses Abschnitts. So seltsam das klingt.

Wer auf eine deutliche Reaktion nach der Pause gehofft hatte, wurde schnell enttäuscht. Im zweiten Drittel dauerte es nur 2:18 Minuten, bis Danjo Leonhardt auf 4:0 stellte. Wieder ging es viel zu leicht, wieder bekam Straubing vor dem Berliner Tor zu viel Platz, wieder sah die Defensive so aus, als hätte sie sich kollektiv für ein Beobachtungspraktikum statt für aktive Mitarbeit entschieden. Die Tigers spielten das mit viel Ruhe und Klarheit herunter, machten die Räume eng, hielten die Eisbären außen und warteten geduldig auf Fehler. Und Fehler lieferten die Berliner leider zuverlässig.

Zwar war den Eisbären das Bemühen nicht abzusprechen, doch echte Torgefahr entstand viel zu selten. Man setzte sich phasenweise im Straubinger Drittel fest, fand aber kaum Lücken und noch seltener Lösungen. Straubing hatte die Partie komplett im Griff und wirkte in jeder Zone frischer, wacher und entschlossener. Für die Berliner Trainerbank dürfte das zweite Drittel wie ein unfreiwillig sehr umfangreicher Lehrfilm gewirkt haben, inklusive vieler Szenen, die man vor Spiel zwei lieber nicht noch einmal sehen möchte.

Im Schlussdrittel dauerte es dann gerade einmal 70 Sekunden, bis Nicholas Halloran nach einem erneuten Berliner Scheibenverlust das 5:0 erzielte. Spätestens da war klar, dass dieser Abend als gebrauchte Ware direkt zurück ins Regal gehört. Die Eisbären verschliefen nicht nur den Start ins Spiel, sondern praktisch jeden neuen Abschnitt. Während Straubing vom ersten Wechsel an Playoff-Modus eingeschaltet hatte, wirkten die Berliner über weite Strecken wie eine Mannschaft, die noch auf das WLAN-Passwort fürs Viertelfinale wartete.

Danach war die Luft im Spiel weitgehend raus. Straubing schaltete etwas zurück, Berlin versuchte immerhin noch, in den Zweikämpfen Präsenz zu zeigen. Dass Manuel Wiederer bei einem Check gegen den Kopf mit nur zwei Strafminuten davonkam, war dabei eher glücklich. Wenigstens gelang den Eisbären in Überzahl noch ein kleiner Lichtblick: Kai Wissmann brachte die Scheibe von der blauen Linie Richtung Tor, dort wurde sie entscheidend abgefälscht und landete zum 5:1 im Netz. Kein Wendepunkt, kein spätes Wunder, aber immerhin ein Tor, das fürs Selbstvertrauen vielleicht mehr wert sein könnte, als es in diesem Moment aussah.

So bleibt am Ende ein Abend, an dem für die Eisbären fast alles schiefging, was schiefgehen konnte. Straubing war in allen Belangen besser, konsequenter und deutlich bereiter für dieses erste Viertelfinalspiel. Berlin dagegen bekam früh einen Schlag ins Gesicht und fand danach nie wirklich eine Antwort. Die gute Nachricht ist allerdings: In einer Playoff-Serie zählt keine Schönheitsnote, und auch ein Debakel bringt am Ende nur einen verlorenen Abend ein. Am Freitag beginnt das nächste Spiel wieder bei 0:0. Dann sollten die Eisbären allerdings sicherstellen, dass sie pünktlich mit dem ersten Bully auf dem Eis sind.

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