27.3.2026: Ronning regelt: Eisbären beißen sich zum 2:1 gegen Straubing durch und gleichen die Serie aus

Die Eisbären Berlin haben auf die deftige Klatsche aus Spiel eins genau die Antwort gegeben, die man sich in den Playoffs wünscht: keine langen Diskussionen, keine Selbsthilfegruppe auf Kufen, sondern ein hart erarbeitetes 2:1 gegen die Straubing Tigers. Damit ist die Viertelfinalserie wieder ausgeglichen, und plötzlich sieht die Welt in Berlin schon wieder deutlich freundlicher aus. In den Playoffs geht es eben manchmal schnell: Erst Weltuntergang, zwei Tage später wieder vorsichtiger Optimismus mit leicht erhöhtem Puls.

Dabei waren die Voraussetzungen vor dem Spiel durchaus interessant. Serge Aubin musste auf Markus Niemeläinen verzichten, weil dessen Nachwuchs kurz vor der Ankunft stand. Ein Ausfall aus den schönsten aller Gründe also. Dafür rückte Les Lancaster zurück in die Defensive, und auch in der Offensive wurde kräftig umgebaut. Die Botschaft war klar: Nach dem 1:5 in Straubing musste etwas passieren. Und die Eisbären lieferten diesmal keine poetische Aufarbeitung der Niederlage, sondern ganz pragmatisch eine Reaktion auf dem Eis.

Die Anfangsphase war zunächst noch etwas zittrig. Die Berliner wirkten in einigen Aktionen nervös, vor allem bei der Scheibenannahme. Das Spiel war insgesamt deutlich vorsichtiger als der wilde Auftakt am Pulverturm, was aus Eisbären-Sicht allerdings schon mal ein Fortschritt war. Nicht nach zwei Minuten völlig im Chaos zu versinken, darf in den Playoffs schließlich auch als Qualität gelten. Nach und nach arbeiteten sich die Hausherren aber besser in die Partie, erhöhten den Druck und setzten sich häufiger im Drittel der Tigers fest. Noch fehlte die ganz große Gefahr, doch immerhin war zu erkennen, dass diesmal mehr Struktur und deutlich mehr Widerstand im Berliner Spiel steckte.

In der 14. Minute war es dann Ty Ronning, der das erste Ausrufezeichen setzte. Stark angespielt von Jonas Müller, vollendete die Berliner Nummer neun zur 1:0-Führung und brachte die Arena damit auf Betriebstemperatur. Es war eines dieser Tore, die nicht nur auf die Anzeigetafel wirken, sondern auch auf die Köpfe. Die Eisbären hatten sich für ihren engagierten Auftritt belohnt und wirkten nun stabiler. Dass das Powerplay kurz darauf wieder eher an eine Baustelle als an eine Waffe erinnerte, passte zwar irgendwie ins Saisonbild, änderte aber zunächst nichts an der Führung. Kurz vor der Pause schlug Straubing dann doch noch zurück, als Stefan Loibl zum 1:1 traf. Ein kleiner Dämpfer, der das erste Drittel aus Berliner Sicht unnötig komplizierter machte, aber immerhin nicht in Panik ausartete.

Und dann kam Ty Ronning wieder. Gerade einmal 57 Sekunden waren im zweiten Drittel gespielt, da traf er im Powerplay zum 2:1. Doppelpack, Führung zurückgeholt, Halle wach, Serie wieder offen. Man könnte auch sagen: Ronning machte Ronning-Sachen. Dass er für diese Mannschaft enorm wichtig ist, war vorher schon kein Geheimnis, nach diesem Abend war es noch ein bisschen offensichtlicher. Während andere in solchen Spielen lange Anläufe brauchen, reicht ihm oft ein Moment, um alles in die richtige Richtung zu schieben.

In der Folge entwickelte sich genau die Partie, die man in den Playoffs erwartet, aber als Fan eigentlich nicht unbedingt für die eigene Herzgesundheit bestellt. Beide Teams arbeiteten intensiv, beide Defensivreihen räumten kompromisslos vor dem Tor auf, und gute Chancen blieben Mangelware. Straubing kam immer wieder zu Abschlüssen, doch Jonas Stettmer zeigte eine sehr starke Leistung und strahlte die Ruhe aus, die man in solchen Spielen von einem Torhüter braucht. Da flatterte nichts, da wurde nicht unnötig Theater gemacht, da wurden einfach Scheiben gehalten. Genau so will man seinen Goalie im Viertelfinale sehen.

Im Schlussdrittel nahm die Partie dann endgültig den typischen Playoff-Charakter an: viel Spannung, viele Nickligkeiten, jede Menge Emotionen und ein Geräuschpegel in der Arena, der den Blutdruck zuverlässig nach oben trieb. Beide Fanlager sorgten für eine starke Atmosphäre, und auf dem Eis wurde um jeden Zentimeter gekämpft. Besonders unschön war ein überharter Check von Marcel Brandt gegen Moritz Kretschmar, der nur mit fünf Minuten geahndet wurde. Überhaupt hatten die Hauptschiedsrichter keinen besonders souveränen Abend erwischt und ließen erstaunlich viel laufen. Das sorgte zusätzlich für Hektik und trug nicht gerade dazu bei, dass man sich entspannt zurücklehnen konnte. Wobei entspanntes Zurücklehnen in einem Playoff-Spiel vermutlich ohnehin ein Gerücht ist.

Sportlich blieb es bis zum Ende maximal eng. Die Eisbären drängten auf das 3:1, Straubing warf alles in Richtung Ausgleich. In der Schlussphase zog Craig Woodcroft natürlich noch den Goalie, nahm die Auszeit und setzte auf maximale Offensive. Die Tigers drückten, die Halle kochte, und irgendwo zwischen Hoffnung, Anspannung und leichtem Schnappatmungsmodus verteidigten die Berliner ihren knappen Vorsprung mit großer Leidenschaft über die Zeit. Genau das war diesmal der Unterschied zu Spiel eins: mehr Einsatz, mehr Disziplin, mehr Widerstandskraft und deutlich mehr Bereitschaft, sich in jeden Schuss und jeden Zweikampf zu werfen.

Am Ende stand ein 2:1-Sieg, der vielleicht nicht spektakulär war, dafür aber umso wichtiger. Die Eisbären haben gezeigt, dass sie in dieser Serie angekommen sind und dass sie auf Rückschläge reagieren können, ohne gleich in Schönheit sterben zu müssen. Ty Ronning war mit seinem Doppelpack der Matchwinner, Jonas Stettmer ein starker Rückhalt, und die Mannschaft insgesamt wirkte deutlich gefestigter. Aus dem 0:1 in der Serie wurde ein 1:1, und aus der unangenehmen Ausgangslage eine Best-of-five-Serie. Anders gesagt: Alles wieder offen. Und das ist für Berlin nach diesem Auftakt schon mal eine ziemlich gute Nachricht.

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