29.3.2026: Pulverturm? Eher Pulverfass: Eisbären holen sich mit 4:2 in Straubing das Heimrecht
Wer in Straubing auf einen gemütlichen Eishockeynachmittag gehofft hatte, wurde schon nach dem ersten Bully freundlich, aber bestimmt eines Besseren belehrt. Dieses dritte Viertelfinalspiel hatte alles, was Playoff-Hockey ausmacht: Tempo, Härte, kleine Nickeligkeiten nach dem Pfiff und eine Stimmung, bei der man sich sicher war, dass der Pulverturm seinen Namen nicht zufällig trägt. Mitten in diesem emotionalen Dauerfeuer behielten die Eisbären Berlin diesmal jedoch die Nerven, spielten reifer, kaltschnäuziger und nahmen mit einem 4:2-Sieg nicht nur die Führung in der Serie, sondern gleich auch das Heimrecht mit zurück in die Hauptstadt.
Serge Aubin verzichtete dabei auf große Experimente und nahm nur minimale Änderungen am Line-up vor. Marcel Noebels und Yannick Veilleux tauschten die Reihen, ansonsten blieb fast alles beim Alten. Offenbar genau die richtige Mischung, denn diesmal verschliefen die Berliner die Anfangsphase nicht, sondern waren vom Start weg hellwach. Nach den ersten beiden Spielen war ohnehin klar, dass diese Serie eher nach Schlagabtausch als nach Schaulaufen aussieht. Also wurde jeder Check zu Ende gefahren, jede freie Scheibe behandelt, als hinge das eigene WLAN-Passwort davon ab, und nach Abpfiff gab es regelmäßig Gesprächsbedarf auf sehr überschaubarem diplomatischem Niveau.
Die Eisbären kamen deutlich besser in die Partie als zuletzt und belohnten sich früh. Les Lancaster, inzwischen so torhungrig unterwegs, als hätte er still und heimlich beschlossen, künftig gleichzeitig Verteidiger, Stürmer und Torgefahr in Personalunion zu sein, brachte Berlin in Führung. Der Gästeblock durfte früh jubeln, und Lancaster unterstrich einmal mehr, dass ihm die Sache mit dem Toreschießen inzwischen erstaunlich gut gefällt. Straubing antwortete zwar schnell durch Mike Connolly, doch die Berliner blieben ruhig, geduldig und konsequent. Statt sich von der Atmosphäre oder einer möglichen Drangphase der Tigers beeindrucken zu lassen, hielten sie an ihrem Spiel fest. Und weil Lancaster offenbar einen persönlichen Termin mit dem gegnerischen Tor hatte, legte er wenig später direkt noch einen zweiten Treffer nach. Mit der verdienten 2:1-Führung ging es in die erste Pause.
Im zweiten Drittel meldeten sich die Gastgeber zunächst zurück. In Überzahl traf Marcel Brandt zum Ausgleich, und in dieser Phase hätte das Spiel durchaus kippen können. Straubing machte Druck, drängte auf die Führung und wollte das Momentum auf seine Seite ziehen. Doch genau in solchen Momenten zeigten die Eisbären, warum sie in den vergangenen Jahren so oft dann am stärksten waren, wenn es unangenehm wurde. Sie überstanden die kritische Phase ohne weiteren Gegentreffer und schlugen dann eiskalt zurück. Eric Hördler brachte die Scheibe vors Tor, Lean Bergmann fälschte entscheidend ab, und plötzlich war Berlin wieder vorne. Kurz darauf setzte Ty Ronning noch einen drauf und vollendete einen Konter zum 4:2. Spätestens da war klar: Die Eisbären hatten an diesem Nachmittag nicht vor, sich die Kontrolle noch einmal aus der Hand nehmen zu lassen.
Das Schlussdrittel wurde dann zur großen Abwehrschlacht vor Jonas Stettmer. Straubing drückte, kam vor allem durch mehrere Überzahlspiele zu Chancen und belagerte das Berliner Tor phasenweise so hartnäckig, als wollten sie dort dauerhaft einziehen. Doch die Eisbären verteidigten mit enorm viel Leidenschaft, warfen sich in Schüsse, arbeiteten konsequent gegen die Scheibe und hatten mit Jonas Stettmer einmal mehr einen Torhüter hinter sich, der seinem Heimatverein zuverlässig die Laune verdarb. Mal war er zur Stelle, mal war ein Schläger dazwischen, mal fehlten nur Zentimeter. Für Straubing war es eine frustrierende Mischung, für Berlin der Beweis, dass man inzwischen genau das auf das Eis bringt, was im Frühjahr den Unterschied macht.
Am Ende stand ein 4:2-Auswärtssieg, der sich die Eisbären mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung mehr als verdient hatten. Offensiv nutzten sie ihre Chancen deutlich konsequenter, defensiv arbeiteten sie mit großer Disziplin, und mental wirkten sie gefestigt. In den vergangenen beiden Spielen hat Berlin sehr klar gezeigt, welches Rezept in den Playoffs funktioniert: hinten kompromisslos, vorne effizient und dazwischen als Team unangenehm wie ein Schlittschuh im Wohnzimmer. Mit der 2:1-Serienführung kehrt die Serie nun nach Berlin zurück, wo sich die Eisbären am Dienstag die ersten Matchpucks sichern können. Straubing wird darauf sicher eine Antwort finden wollen. Die Berliner allerdings dürften inzwischen ziemlich deutlich gemacht haben, dass sie gerade nicht in der Stimmung sind, höflich Platz zu machen.
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