4.3.2026: 5:2 in Dresden: Die Eisbären erinnern sich rechtzeitig daran, dass sie Eisbären sind
Manchmal wirkt es bei den Eisbären Berlin so, als hätten sie ihre Playoff-Ambitionen kurz in der Kabine liegen lassen – und würden sie dann, wenn’s wirklich brenzlig wird, mit einem „Ach stimmt ja!“ wieder einsammeln. In Dresden war genau so ein Moment: 5:2 gewonnen, drei ganz wichtige Punkte eingepackt und den Rückstand auf Bremerhaven auf einen Punkt verkürzt. Platz sechs ist also wieder in Sichtweite – wie ein letztes Stück Pizza im Kühlschrank: plötzlich hochinteressant und auf einmal sind alle sehr motiviert.
Dabei war die Ausgangslage ziemlich eindeutig verteilt: Dresden sportlich durch, aber mit dem verständlichen Wunsch, die Saison ordentlich zu Ende zu spielen. Berlin dagegen mit dem bekannten Motto „Direkt in die Playoffs wäre schon ganz nett, danke“ – und entsprechend war von Beginn an zu sehen, wer heute wirklich dringend was vorhatte.
Personell mussten die Eisbären erneut improvisieren: Mitch Reinke und Lean Bergmann fielen verletzt aus. Dafür bekam die Defensive neue Paarungen – Eric Mik neben Markus Niemeläinen, Adam Smith zurück im Kader und an Korbinian Geibels Seite. Vorn wurde ebenfalls gemischt: Tiffels, Pföderl und Ronning als erste Reihe, Noebels mit Rückkehrer Dea und Kirk dahinter, Veilleux/Vikingstad/Eder in Reihe drei – und die nominell vierte Reihe mit Hördler, Wiederer und… Les Lancaster, der inzwischen so wirkt, als hätte er heimlich einen Stürmervertrag unterschrieben. Im Tor selbstverständlich Jonas Stettmer, mit Lennart Neiße als Back-up.
Und dann ging’s los – und zwar so, wie man sich das in Berlin gerade wünscht: ohne langes Vorgeplänkel. Keine zwei Minuten waren gespielt, da setzte Leo Pföderl Ty Ronning in Szene und der machte das 1:0. Zack. Dresden hatte gerade erst „Guten Abend“ gesagt, da stand’s schon „Bitte einmal aufwachen“.
Berlin war griffig, konzentriert, in den Zweikämpfen präsent – und diesmal stimmte im ersten Drittel auch die Chancenverwertung. Les Lancaster erhöhte in der neunten Minute auf 2:0, nach gewonnenem Bully so frei, dass er im Grunde nur noch höflich „Danke“ sagen musste. Im Gästeblock ging das offenbar so schnell, dass man es kurz verpasste – was im Eishockey als Luxusproblem gilt: „Mist, schon wieder ein Tor, ich war noch beim Fahne sortieren.“
Dresden blieb aber dran, wurde mutiger und hatte Powerplay-Möglichkeiten, die Berlin erst mal sauber wegverteidigte. Trotzdem fiel noch der Anschluss: Die Eisbären rückten zu weit auf, Dresden konterte, Sebastian Gorcik traf 24 Sekunden vor der Pause zum 2:1. Also: alles unter Kontrolle, aber bitte ohne diese „Wir laden euch mal kurz ein“-Momente.
In der Drittelpause wurde es nostalgisch mit „Quaster“ und „Alt wie ein Baum“ – und kurz darauf emotional: In der 22. Minute wurde an Tobi Eder gedacht, der an diesem Tag Geburtstag gehabt hätte. Das hing spürbar über dem Spiel, ohne dass es pathetisch wurde. Eher so, wie Sport manchmal ist: laut, schnell, hart – und dann auf einmal ganz still zwischen zwei Wechseln.
Sportlich legten die Eisbären nach. Der Kapitän übernahm Verantwortung und stellte in der 26. Minute auf 3:1. Aber Dresden blieb unbequem, ließ die Scheibe gut laufen und verkürzte in der 35. Minute durch Tomas Andres auf 3:2. Und weil ein normales Drittel offenbar zu gewöhnlich gewesen wäre, gab’s kurz vor der Pause noch einen Faustkampf zwischen Matthias Pischoff und Korbinian Geibel. Geibel, sonst nicht gerade als „Ich klär das mit den Fäusten“-Typ bekannt, hielt tapfer mit. Sagen wir’s so: Er hat sich auf jeden Fall nichts für die „Top 10 der schnellsten Rückzüge“ zu Schulden kommen lassen.
Währenddessen lief auf den Rängen eine andere Kategorie Dominanz: Die Eisbären-Fans machten das Auswärtsspiel praktisch zum Heimspiel. Über 500 Berliner in Dresden – das ist in etwa die Zuschauerzahl, bei der sich ein Gastgeber irgendwann fragt, ob er versehentlich die falsche Hymne eingespielt hat.
Im letzten Drittel machten die Eisbären dann das, was man in solchen Spielen unbedingt braucht: sie ließen keine Zweifel mehr zu. Tempo hoch, Fokus da – und dann kam die Szene, die man sich nicht ausdenken muss, weil Sport das selbst erledigt. In der 48. Minute traf Andreas Eder zum 4:2 – am Geburtstag seines verstorbenen Bruders Tobi. Solche Momente sind größer als Tabellenplätze, größer als „Big Points“ und größer als alles, was man in einer Spielanalyse mit Pfeilen und Heatmaps erklären könnte.
Und weil man in Dresden offenbar beschlossen hatte, Emotionen und Entscheidung im Doppelpack auszuliefern, fiel nur 26 Sekunden später das 5:2 durch Jonas Müller (49.). Das war der Deckel, das Siegel, das „Gute Nacht, wir nehmen die Punkte mit“-Stempelchen.
Danach spielten es die Eisbären souverän runter. Dresden versuchte noch, aber es brannte nichts mehr an. Ein Sieg, der nicht fehlerfrei war – aber über 60 Minuten konzentrierter als zuletzt und genau zur richtigen Zeit. Und ja: Es war „nur“ Dresden, ohne respektlos zu klingen. Der Hinweis ist eher wie ein Warnschild: Nicht übermütig werden, nur weil’s heute geklappt hat.
Denn was jetzt kommt, ist die Sorte Restprogramm, bei der man nicht mit „ganz okay“ durchrutscht: Köln, Mannheim, München warten noch. Vorher geht’s am Freitagabend zu den Nürnberg Ice Tigers. Heißt: Der Weg zu Platz sechs ist offen – aber er ist nicht gepflastert, sondern eher glattgezogen wie frisch aufbereitetes Eis. Und wir wissen alle: Auf Eis sieht man erst beim nächsten Schritt, ob man elegant gleitet oder plötzlich sehr kreativ nach Halt sucht.
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