10.4.2026: Eisbären mit Drittel-Abo: 20 starke Minuten, dann kam Köln mit der Abrissbirne

Die Eisbären Berlin haben in Spiel zwei des Halbfinals eindrucksvoll bewiesen, dass ein gutes Drittel im Playoff-Eishockey ungefähr so hilfreich ist wie ein Regenschirm im Orkan: nett gemeint, aber am Ende wird man trotzdem patschnass. Nach dem überzeugenden Auftakt in die Serie setzte es bei den Kölner Haien eine verdiente 1:5-Niederlage, weil Berlin nach ordentlichem Beginn komplett den Faden verlor und Köln ab dem zweiten Drittel zeigte, wie gnadenlos man Schwächephasen bestrafen kann.

Dabei begann die Partie aus Berliner Sicht noch durchaus ordentlich. Die Eisbären standen defensiv stabil, ließen zunächst wenig zu und fanden mit zunehmender Spielzeit besser in die Begegnung. Es war keine Partie für Eishockey-Feinschmecker in den ersten Minuten, eher ein vorsichtiges Beschnuppern mit Schlittschuhen, aber irgendwann nutzten die Berliner ihre erste echte Druckphase. Markus Vikingstad eroberte stark die Scheibe, Yannick Veilleux vollendete, und plötzlich führten die Eisbären mit 1:0. Das war effektiv, abgeklärt und ließ hoffen, dass man den Auswärtssieg tatsächlich würde mitnehmen können. Auch ein späteres Powerplay änderte am Zwischenstand zwar nichts, doch nach dem ersten Drittel durfte man aus Berliner Sicht zufrieden sein.

Dann kam das zweite Drittel. Und mit ihm leider der komplette Systemabsturz. Das Berliner Powerplay zum Start verpuffte wirkungslos, Köln übernahm das Kommando und drehte die Partie in einer Wucht, die den Eisbären ordentlich um die Ohren flog. Erst fiel der Ausgleich durch Patrick Russell, dann legte derselbe Spieler auch noch das 2:1 nach. Als Dominik Bokk wenig später quasi im Alleingang durch die Berliner Defensive spazierte, wirkte das aus Eisbären-Sicht schon fast wie ein schlechter Scherz. Zwei Verteidiger waren dran, aber eher dekorativ als hinderlich. Das 1:3 war die logische Folge. Spätestens mit dem 1:4 durch Louis-Marc Aubry war klar: Dieses Drittel hatte Berlin nicht einfach verloren, sondern komplett aus der Hand gegeben.

Die Eisbären wirkten in dieser Phase fahrig, passiv und in den Zweikämpfen erschreckend unterlegen. Turnover reihten sich an Turnover, das Tempo der Haie bereitete enorme Probleme, und offensiv blieb vieles Stückwerk. Das Powerplay trug ebenfalls nicht gerade zur allgemeinen Beruhigung bei. Man hatte eher den Eindruck, dass die Berliner in Überzahl selbst überrascht waren, schon wieder die Scheibe zu haben. Serge Aubin reagierte schließlich mit einem Torwartwechsel, Jonas Stettmer machte Platz für Jake Hildebrand. Allein daran lag es allerdings nicht. Vor dem Tor war zu viel offen, vor allem aber fehlte nach dem starken ersten Drittel jede Stabilität.

Im Schlussabschnitt ging es dann nur noch um Schadensbegrenzung, doch auch daraus wurde nichts. Köln setzte noch einen drauf, Gregor MacLeod traf nach einem mustergültigen Konter zum 1:5 und beendete damit auch die letzten zarten Hoffnungen auf ein Berliner Wunder-Comeback. Die Haie spielten sich in einen Rausch, während die Eisbären immer mehr in Frust und Nickligkeiten abglitten. Sportlich war die Messe längst gelesen, emotional wurde es dafür zum Schluss umso heißer.

Besonders Yannick Veilleux stand dabei erneut im Mittelpunkt, allerdings leider nicht nur wegen seines Tores. Was zunächst mit Einsatz und Provokation begann, endete in einer Spieldauer nach einem unnötigen Crosscheck weit nach Abpfiff. Genau das ist eines dieser Veilleux-Spiele, bei denen man am Ende wieder beide Seiten zu sehen bekommt: vorne gefährlich, hinten ein Pulverfass mit sehr kurzer Zündschnur. Das Problem ist nur, dass solche Aktionen in den Playoffs selten als charmante Charaktereigenschaft durchgehen. Viel eher droht Berlin damit, sich personell selbst weiter zu schwächen, und das kann man sich in einer ohnehin intensiven Serie nun wirklich nicht leisten.

Unterm Strich bleibt eine verdiente Niederlage, die vor allem deshalb ärgerlich ist, weil sie so vermeidbar wirkte. Das erste Drittel zeigte, dass die Eisbären mithalten und Köln auch auswärts weh tun können. Die restlichen 40 Minuten waren dann allerdings ein ziemlich eindrucksvoller Vortrag darüber, was passiert, wenn man in einem Playoff-Spiel Konzentration, Körpersprache und Zweikampfhärte kollektiv in der Kabine vergisst. Die Serie steht nun 1:1, Berlin hat den Heimvorteil nicht komplett verspielt, aber die Warnlampe blinkt deutlich. Am Sonntag braucht es eine sportliche Antwort, und zwar über 60 Minuten. Nicht über 20. Playoffs sind schließlich kein Teilzeitjob.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

28.9.2025: Chancen für drei Spiele – Punkte für keines: Eisbären scheitern an Eriksson und sich selbst

23.10.2025: Eisbären-Schocktherapie in München: Siegesserie endet bei den Roten Bullen

10.10.2025: 3:2 OT Sieg in Frankfurt: Die Eisbären zwischen Krankenstation und Kampfgeist