12.4.2026: Eisbären erst eiskalt, dann kurz auf Betriebstemperatur: 4:2 gegen Köln mit spätem Nervenkitzel
Die Eisbären Berlin haben Spiel drei der Halbfinalserie gegen die Kölner Haie mit 4:2 gewonnen und sich damit die Führung in der Serie zurückgeholt. Über weite Strecken war das ein Auftritt, bei dem man fast meinen konnte, die Berliner hätten den Frust vom Freitag in reine Spielfreude umgewandelt. Köln wurde lange kontrolliert, phasenweise regelrecht eingeschnürt und durfte sich bei Janne Juvonen bedanken, dass die Partie nicht schon deutlich früher entschieden war. Am Ende wurde es dann aber doch noch einmal spannend – natürlich, denn ganz ohne Pulsprogramm machen es die Eisbären in den Playoffs offenbar nicht.
Vor dem Spiel hatte Serge Aubin ordentlich am Line-up geschraubt. Yannick Veilleux fehlte gesperrt, dafür kehrten Mitch Reinke und Marcel Noebels zurück. Im Tor begann Jake Hildebrand anstelle von Jonas Stettmer, was durchaus für hochgezogene Augenbrauen sorgte. Eine mutige Entscheidung, vielleicht auch eine, bei der man innerlich kurz den Playoff-Gott gefragt hat, ob das wirklich sein Ernst ist. Doch Hildebrand erledigte seinen Job ordentlich und wurde am Ende nicht zum Gesprächsthema gemacht – was für einen Torhüter meistens ein ziemlich gutes Zeichen ist.
Die Partie begann erwartet intensiv. Beide Mannschaften arbeiteten hart, beide standen defensiv stabil, und große Torchancen waren zunächst so selten wie ein völlig entspannter Playoff-Abend. Die Eisbären machten aber von Beginn an klar, dass sie auf Wiedergutmachung aus waren. Berlin wirkte wach, konzentriert und deutlich entschlossener als noch in den letzten beiden Dritteln am Freitag. Köln lauerte auf Umschaltmomente, fand gegen die gut organisierte Berliner Defensive aber kaum Wege. So endete das erste Drittel torlos, was angesichts der kämpferischen Anlage des Spiels noch völlig in Ordnung ging.
Im zweiten Drittel nahm die Partie dann Fahrt auf – und Leo Pföderl gleich mit. Im Powerplay platzte endlich der Knoten: Erstes Playofftor für Pföderl, erstes Gegentor für Köln in Unterzahl in diesen Playoffs, 1:0 für Berlin. Eine dieser Kombinationen, bei denen man fast den Eindruck bekam, dass sich zwei kleine persönliche Serien gleichzeitig verabschiedet haben. Berlin blieb dran, erspielte sich weitere Chancen und setzte die Haie massiv unter Druck. Das große Problem war nur die Chancenverwertung. Die Eisbären spielten stark, schossen viel, arbeiteten dominant – ließen Köln aber durch das knappe Ergebnis am Leben. 40:10 Torschüsse nach zwei Dritteln sprechen eine ziemlich deutliche Sprache, auch wenn das Resultat dazu fast schon frech wirkte.
Dazu kam noch reichlich Aufregung. Jonas Müller bekam ordentlich auf die Hand, ohne dass die Schiedsrichter eine Strafzeit verhängten, und Lean Bergmann musste ebenfalls einiges einstecken. Köln agierte robust, stellenweise an der Grenze, manchmal auch mit leichtem Hang zur künstlerischen Auslegung des Regelwerks. Die Eisbären ließen sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen und nahmen die 1:0-Führung mit in die Pause – samt dem Gefühl, dass hier eigentlich längst mehr drin gewesen wäre.
Im Schlussdrittel schien Berlin dann zunächst alles klarzumachen. Jonas Müller erhöhte früh auf 2:0 und jagte die Scheibe mit einer Wucht ins Tor, als hätte er noch eine offene Rechnung mit dem gesamten zweiten Drittel gehabt. Kurz darauf legte Les Lancaster das 3:0 nach und belohnte die Eisbären für einen insgesamt sehr starken Auftritt. Köln fand bis dahin kaum Mittel, war läuferisch unterlegen und im Spiel nach vorne erstaunlich harmlos. Berlin hatte Tempo, Struktur und Biss – genau das Gesicht also, das man nach dem Rückschlag in Köln sehen wollte.
Doch dann kam Minute 53, und plötzlich wurde aus einem souveränen Abend wieder ein kleiner Herz-Kreislauf-Test. Dominik Bokk traf zum 3:1, Köln nahm später den Torhüter vom Eis und verkürzte durch Oliwer Kaski sogar auf 3:2. Innerhalb weniger Minuten war aus einer gefühlt entschiedenen Partie wieder eine Zitternummer geworden. Die Haie witterten ihre Chance, die Berliner wirkten kurz unsortiert, und in der Arena dürfte man sich kollektiv gefragt haben, warum dieses Spiel bitte noch einmal spannend werden muss.
Zum Glück gibt es für solche Momente einen Leo Pföderl. Als Köln erneut alles riskierte und wieder ohne Torhüter spielte, setzte Pföderl mit seinem zweiten Treffer des Abends den Schlusspunkt zum 4:2. Stecker gezogen, Deckel drauf, Diskussion beendet. Die Haie versuchten danach zwar noch einmal alles, doch die Eisbären verteidigten das am Ende konsequent weg und brachten den Sieg über die Zeit.
Unterm Strich bleibt ein verdienter Berliner Erfolg, der über lange Strecken sogar noch klarer hätte ausfallen müssen. Die Eisbären zeigten die richtige Reaktion auf die Pleite in Köln, kontrollierten das Spiel über weite Phasen und erinnerten daran, warum sie in dieser Serie absolut zurecht zu den Favoriten zählen. Dass es am Ende noch einmal eng wurde, passt irgendwie ins Playoff-Bild: dominant sein, Chancen liegen lassen, Gegner zurückholen und dann doch gewinnen. Souverän mit kleiner Drama-Zugabe – die Eisbären können eben nicht nur Eishockey, sondern auch Unterhaltung.
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