15.4.2026: Bokk macht den Ex besonders gründlich: Eisbären verlieren 3:4 nach Verlängerung und die Serie ist wieder offen

Manchmal ist Eishockey wirklich ein sehr seltsamer Sport. Die Eisbären Berlin hatten in Köln die große Chance, sich den Matchpuck für den Finaleinzug zu sichern, und am Ende stand trotzdem eine 3:4-Niederlage nach Verlängerung auf der Anzeigetafel. Besonders bitter: Ausgerechnet Dominik Bokk, einst selbst im Berliner Trikot unterwegs, drückte dem Abend mit zwei Toren seinen Stempel auf. Ex-Spieler haben offenbar ein eingebautes Talent dafür, ehemaligen Vereinen besonders zuverlässig auf die Nerven zu gehen.

Dabei begann der Abend aus Berliner Sicht schon ziemlich unerquicklich. Gerade einmal 42 Sekunden waren gespielt, da lagen die Eisbären bereits mit 0:1 hinten. Frederik Storm nutzte den Kölner Blitzstart, während Berlin zunächst eher den Eindruck machte, als wäre man gedanklich noch im Mannschaftsbus unterwegs. Köln hatte in der Anfangsphase deutlich mehr Zug zum Tor, traf beinahe noch ein weiteres Mal und zeigte genau die Reaktion, die man nach der deutlichen Niederlage in Spiel drei erwarten durfte.

Dass die Eisbären in dieser Phase nicht frühzeitig unter die Räder kamen, lag vor allem an Jake Hildebrand. Der Torhüter war sofort wach und hielt seine Mannschaft mit mehreren starken Paraden im Spiel. Vorne dauerte es zwar etwas, aber dann schlugen die Berliner im Powerplay eiskalt zu. Ty Ronning traf in der 14. Minute zum 1:1 und stellte den Spielverlauf damit ein wenig auf den Kopf. Plötzlich waren die Eisbären in der Partie, das Momentum kippte und Köln musste kurz schlucken. Mit dem 1:1 nach dem ersten Drittel konnten die Berliner angesichts des Starts durchaus zufrieden sein.

Das zweite Drittel begann dann so, wie es sich jeder Eisbären-Fan gewünscht hatte. Gerade einmal 20 Sekunden waren gespielt, da traf Kapitän Kai Wissmann zum 2:1. Spiel gedreht, Stimmung vermutlich kurzzeitig bestens, alles wieder unter Kontrolle. Nun ja, zumindest ungefähr drei Minuten lang. Dann konterten die Haie stark, Tanner Kero glich zum 2:2 aus und machte deutlich, dass Köln an diesem Abend nicht gewillt war, einfach den freundlichen Gastgeber zu geben.

Es blieb ein schnelles, intensives und ziemlich nervenaufreibendes Spiel. Beide Mannschaften kamen zu Chancen, beide Phasen wechselten sich ab, und irgendwann war wieder Köln an der Reihe. Dominik Bokk traf in der 33. Minute zum 3:2 und sorgte damit nicht nur für die Führung der Hausherren, sondern auch für den nächsten bitteren Moment aus Berliner Sicht. Bei dieser Szene verletzte sich Jake Hildebrand und musste das Eis verlassen. Jonas Stettmer übernahm anschließend im Tor. Bitterer hätte diese Szene kaum laufen können, denn die Eisbären haben in dieser Saison ohnehin schon genügend Bekanntschaft mit der Verletzungsmisere gemacht. Die Liste der Ausfälle liest sich inzwischen fast so lang wie manche Einkaufszettel vor Weihnachten.

Im Schlussdrittel stemmten sich die Berliner dann gegen die Niederlage. Köln verteidigte kompakt, ließ kaum Räume zu und versuchte seinerseits, auf die Vorentscheidung zu gehen. Die Eisbären brauchten Geduld, Nerven und im besten Fall auch ein funktionierendes Powerplay. Genau das kam dann auch. Liam Kirk staubte in der 52. Minute zum 3:3 ab und schickte die Partie in die heiße Schlussphase. Da war sie wieder, diese Hoffnung, dieses Kribbeln, dieses typische Gefühl von: Vielleicht geht hier doch noch was.

Die reguläre Spielzeit brachte keinen weiteren Treffer, obwohl Köln in den letzten Minuten noch ein Powerplay bekam und die Spannung in der Halle endgültig auf Playoff-Niveau kochte. Berlin überstand diese Druckphase, rettete sich in die Verlängerung und durfte weiter vom Auswärtssieg träumen.

In der Overtime entwickelte sich dann genau das Spiel, das man in einem Halbfinale erwartet. Intensiv, eng, dramatisch und mit Chancen auf beiden Seiten. Leo Pföderl und Liam Kirk hatten die Entscheidung für Berlin auf dem Schläger, fanden aber in Janne Juvonen ihren Meister. Und weil Eishockey gelegentlich einen Hang zur maximalen Ironie hat, war es am Ende natürlich Dominik Bokk, der in der 78. Minute zum 4:3 für Köln traf. Ex-Eisbär entscheidet gegen Eisbären – das Drehbuch schrieb sich quasi von selbst.

Für Berlin bedeutet diese Niederlage, dass aus der Halbfinalserie nun endgültig ein Best-of-three geworden ist. Nach vier Spielen steht es 2:2, alles ist wieder offen und der Druck ist ein Stück weit zurück in der Hauptstadt. Am Freitag müssen die Eisbären im letzten Heimspiel dieser Serie liefern, wenn sie sich erneut den Vorteil sichern wollen. Das Gute ist: Diese Mannschaft hat schon oft gezeigt, dass sie mit Druck umgehen kann. Das Schlechte ist: Ein bisschen weniger Drama wäre zwischendurch auch mal ganz charmant.

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