17.4.2026: Matchpuck, Müller-Magie und ein Dach, das fast abhebt: Eisbären schlagen Köln mit 5:2
Die Eisbären Berlin haben sich mit einem verdienten 5:2-Heimsieg gegen die Kölner Haie den Matchpuck im Halbfinale gesichert und damit beste Werbung für nervenaufreibendes Playoff-Eishockey geliefert. Drei Heimspiele, drei Siege – die Arena am Ostbahnhof bleibt in dieser Serie also eine Art Kölner Verbotszone. Berlin führt nun mit 3:2 in der Serie und darf am Montag in Köln gleich doppelt vom Finaleinzug träumen. Klingt komfortabel, ist im Playoff-Modus aber ungefähr so beruhigend wie ein Ein-Tore-Vorsprung zwei Minuten vor Schluss.
Vor dem Spiel hatte Serge Aubin sein Line-up etwas umgebaut. Yannick Veilleux war nach abgesessener Sperre zurück, Norwin Panocha dafür raus. In der Defensive rückte Moritz Kretzschmar an die Seite von Les Lancaster, während Eric Mik ungewohnt in der vierten Reihe auftauchte. Jonas Stettmer begann im Tor und sollte an diesem Abend einmal mehr zeigen, dass Ruhe manchmal die wertvollste Playoff-Währung ist.
Die Ausgangslage war eindeutig: Verlieren verboten. Denn wer Spiel fünf gewinnt, reist mit einem ziemlich hübschen psychologischen Rucksack weiter. Die Eisbären wussten also genau, was auf dem Spiel stand, und Köln ebenfalls. Das merkte man vor allem daran, dass die Partie zunächst eher angespannt als spektakulär begann. Beide Teams spielten engagiert, aber mit angezogener Handbremse. Es war weniger Eishockey-Feuerwerk und mehr Schach auf Kufen – nur mit deutlich härteren Körperkontakten.
Im ersten Drittel blieben große Chancen Mangelware. Die Eisbären wollten Druck aufbauen, doch Köln stand defensiv stabil und ließ Berlin nur selten ins Rollen kommen. Ein Berliner Powerplay verpuffte zudem ziemlich geräuschlos, was auch daran lag, dass die Haie aggressiv störten und im Unterzahlspiel beinahe selbst die beste Gelegenheit hatten. Die ganz große Intensität der vorherigen Partien wurde noch nicht erreicht, aber das hatte auch mit der Bedeutung dieses Spiels zu tun. Niemand wollte den ersten groben Fehler machen. So endeten die ersten 20 Minuten torlos – sehr zur Freude aller Kardiologen eher nicht.
Dafür legte das zweite Drittel sofort los. Schon früh bekamen die Haie ein Powerplay, doch Jonas Stettmer war zur Stelle. Auf der anderen Seite musste auch Janne Juvonen gegen Veilleux retten. Die Partie gewann nun deutlich an Tempo und Qualität. Und dann kam Adam Smith. In der 25. Minute spazierte er erstaunlich ungestört durch die Kölner Defensive und zog trocken ab zum 1:0. Ein Tor, das nicht nur schön anzusehen war, sondern auch genau zur richtigen Zeit fiel.
Noch wichtiger wurde es kurz darauf. Köln hatte die Chance, in Überzahl direkt zu antworten, kassierte stattdessen aber einen Shorthander. Manuel Wiederer schnappte sich die Scheibe, lief allein auf Juvonen zu und vollendete eiskalt zum 2:0. Spätestens da verwandelte sich die Arena in ein Tollhaus. Auf Berliner Seite explodierte die Euphorie, auf Kölner Seite machte sich eher jene Mimik breit, die man sonst von Menschen kennt, die im Restaurant feststellen, dass sie aus Versehen das schärfste Gericht der Karte bestellt haben.
Ganz erledigt waren die Haie aber natürlich nicht. Dominik Bokk verkürzte in der 32. Minute auf 2:1 und gab den Gästen neues Leben. In dieser Phase bekam Köln Oberwasser, drängte auf den Ausgleich und brachte mehr Druck aufs Berliner Tor. Doch Stettmer blieb stark und hielt die Führung fest. Berlin wirkte kurzzeitig etwas wacklig, rettete den Vorsprung aber in die zweite Pause.
Im Schlussdrittel sorgten die Eisbären dann schnell wieder für klarere Verhältnisse. Jonas Müller fuhr in der 43. Minute einmal ums Tor, entdeckte dabei offenbar seinen inneren Torjäger und schob die Scheibe sehenswert zum 3:1 ins lange Eck. Ein Treffer mit Ansage, Selbstbewusstsein und einer kleinen Portion Frechheit – also ziemlich genau das, was man in einem Playoff-Halbfinale gerne sieht.
Köln musste nun kommen und versuchte es auch, doch die Berliner Defensive arbeitete konzentriert und kompromisslos. Die Eisbären verteidigten clever, hielten die Haie meist vom ganz großen Abschluss fern und setzten selbst immer wieder Nadelstiche. Ganz durch war die Sache aber noch nicht. In der 54. Minute verkürzte Gregor MacLeod im Powerplay auf 3:2 und machte die Partie noch einmal unnötig spannend. Aus Berliner Sicht war das so ein Moment, in dem man sich fragt, warum man es nicht einfach einmal entspannt zu Ende spielen darf.
Die Antwort kam kurz vor Schluss. Köln nahm den Torwart vom Eis, Berlin blieb cool und Liam Kirk traf in der 59. Minute ins leere Tor zum 4:2. Die Haie versuchten danach mit Auszeit und erneut gezogenem Goalie noch einmal alles, doch Marcel Noebels setzte mit dem 5:2 endgültig den Deckel drauf. Danach wurde es noch etwas hitzig: Louis-Marc Aubry und Robin van Calster kassierten jeweils Disziplinarstrafen wegen unsportlichen Verhaltens. Köln verlor am Ende also nicht nur das Spiel, sondern auch ein Stück die Nerven.
Unterm Strich war es ein verdienter Berliner Sieg. Die Eisbären waren über 60 Minuten die stabilere, abgezocktere und effektivere Mannschaft. Sie nutzten ihre Chancen konsequent, verteidigten stark und behielten auch in den kritischen Phasen den Überblick. Genau das macht in den Playoffs oft den Unterschied zwischen Hoffnung und Heimfahrt.
Jetzt geht es am Montag nach Köln, und die Eisbären haben den ersten Matchpuck in der Tasche. Noch ist nichts entschieden, denn der berühmte letzte Sieg ist bekanntlich der schwerste. Aber Berlin hat sich diese Ausgangslage hart erarbeitet und darf mit breiter Brust in die Domstadt reisen. Zwei Chancen auf den Finaleinzug sind jedenfalls ein ziemlich angenehmer Reisebegleiter. Und wenn die Eisbären ihre Heim-Form gedanklich einfach in den Mannschaftsbus packen, könnte es für Köln ein sehr ungemütlicher Abend werden.
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