20.4.2026: Finale, oh je: Diese Eisbären kennen wirklich keinen Rückwärtsgang
Manchmal schreibt der Sport Geschichten, bei denen man sich fragt, ob da nicht irgendwo ein Drehbuchautor mit Berliner Schal im Hintergrund sitzt. Die Eisbären Berlin haben es tatsächlich geschafft, den Hauptrundensieger Kölner Haie aus den Playoffs zu werfen und zum dritten Mal in Folge ins DEL-Finale einzuziehen. Und das als Mannschaft, die in dieser Saison gefühlt öfter Verletzungslisten als Wunschaufstellungen produziert hat. Während andere Teams in der Olympiapause vermutlich von Titeln träumten, dürften bei den Eisbären viele erst einmal gehofft haben, überhaupt halbwegs gesund durch den Rest der Saison zu kommen. Nun steht man wieder im Finale. Manchmal ist Eishockey eben einfach ein sehr kalter Ort für Prognosen.
Vor Spiel sechs war die Lage klar verteilt: Köln musste gewinnen, Berlin brauchte nur noch einen letzten Sieg. Die Haie wollten ihre Saison verlängern, die Eisbären lieber direkt den Finalkoffer packen. Serge Aubin veränderte sein Line-up nur vorsichtig, also eher Feinarbeit statt Großbaustelle, und seine Mannschaft zeigte vom ersten Bully an, dass sie nicht nach Köln gereist war, um höflich beim möglichen Comeback der Gastgeber zuzuschauen.
Der Beginn war erstaunlich ausgeglichen. Köln kam nicht zu dem großen Sturmlauf, den man in eigener Halle vielleicht erwartet hatte, weil die Eisbären selbst aktiv, konzentriert und sehr kompakt auftraten. Die erste brenzlige Phase überstanden die Berliner in Unterzahl, und danach machten sie genau das, was in so einem Spiel besonders weh tut: Sie schlugen eiskalt zu. Jonas Müller drückte die Scheibe zum 1:0 über die Linie und bestätigte damit einmal mehr seinen bemerkenswerten Torriecher in dieser Serie. Dass ein Verteidiger in den Playoffs plötzlich zum Serienknipser wird, ist auch so eine Spezialität, mit der man Gegnern wunderbar die Laune verderben kann.
Und weil ein Nackenschlag allein in so einem Spiel offenbar nicht reichte, legten die Eisbären direkt nach. Freddy Tiffels staubte zum 2:0 ab und sorgte dafür, dass es in der Lanxess Arena kurzzeitig so still wurde, als hätte jemand versehentlich die Lautstärke auf Bibliothek gestellt. Berlin hatte die Partie bis dahin nahezu perfekt im Griff, stand stabil, spielte klar und brachte Köln früh in eine unangenehme Lage.
Die Haie meldeten sich zwar noch im ersten Drittel durch Parker Tuomie zurück, und spätestens nach einem doppelten Powerplay war klar, dass das hier noch ein langer Abend werden würde. Doch genau in solchen Momenten zeigte sich, warum diese Berliner Mannschaft derzeit so schwer zu stoppen ist. Sie verteidigte leidenschaftlich, arbeitete geschlossen und brachte die knappe Führung in die Pause. Das war kein Glanz auf Bestellung, sondern harte, unangenehme, kompromisslose Playoff-Arbeit. Also genau das, was man im April besonders gerne sieht, solange es die eigene Mannschaft macht.
Im zweiten Drittel wurde die Partie dann endgültig zu dem erbitterten Playoff-Fight, den diese Serie verdient hatte. Beide Teams hatten ihre Chancen, beide Torhüter lieferten groß ab, und das Spiel wogte hin und her. Berlin hätte im Powerplay erhöhen können, Köln nutzte seine Möglichkeiten ebenfalls nicht, und so blieb alles offen. Janne Juvonen zeigte auf Kölner Seite mehrfach, warum er zu den besten Torhütern der Liga gehört, aber auch Jonas Stettmer lieferte im Berliner Tor eine Leistung ab, die man ohne Übertreibung als überragend bezeichnen darf. Was da auf ihn zuflog, entschärfte er mit einer Ruhe, die man in solchen Spielen eigentlich nur hat, wenn man innerlich komplett aus Stahlbeton besteht.
Mit der 2:1-Führung ging es ins Schlussdrittel, und dort begann die Uhr langsam zum besten Freund der Eisbären zu werden. Köln musste kommen, Berlin musste standhalten. Die Gastgeber versuchten viel, arbeiteten, kämpften, drückten, aber die Berliner Defensive war an diesem Abend so aufgeräumt und diszipliniert, dass man fast den Eindruck bekam, sie hätte schon vor dem Spiel beschlossen, heute einfach nichts mehr zuzulassen. Und wenn doch einmal ein Schuss durchkam, stand da immer noch Jonas Stettmer, der offenbar beschlossen hatte, den Kasten nur gegen Vorlage eines richterlichen Beschlusses zu öffnen.
Je näher das Spielende rückte, desto größer wurde die Anspannung. Köln warf noch einmal alles nach vorne, nahm den Torhüter vom Eis und hoffte auf die eine Szene, die eine Saison retten kann. Doch stattdessen schlugen die Eisbären erneut zu. Yannick Veilleux traf ins leere Tor und beseitigte die letzten Zweifel, Markus Vikingstad legte sogar noch das 4:1 nach. Danach war endgültig klar: Berlin fährt wieder ins Finale. Nicht irgendwie, nicht glücklich, sondern mit einer Serie, in der man den Hauptrundensieger ausgeschaltet hat und dabei einmal mehr bewiesen hat, dass diese Mannschaft einen ganz eigenen Sinn für Timing besitzt.
Dieser Erfolg ist deshalb so bemerkenswert, weil er nicht aus einer makellosen Saison heraus entstanden ist. Die Eisbären waren in der Hauptrunde von Verletzungen geplagt, landeten nur auf Platz sechs und galten sicher nicht als der große Favorit auf den Titel. Doch genau daraus hat diese Mannschaft eine besondere Stärke entwickelt. Sie jammert nicht, sie improvisiert. Sie sucht keine Ausreden, sie findet Lösungen. Und während andere vielleicht auf die Tabelle schauen, schauen die Eisbären lieber darauf, ob noch genug Platz im Finale ist.
Nun wartet mit Adler Mannheim ausgerechnet der Erzrivale. Mehr Drama geht kaum, mehr Tradition auch nicht, und neutralen Beobachtern dürfte bereits beim Gedanken daran das Popcorn aus der Hand fallen. Für die Eisbären ist die Reise jedenfalls noch nicht vorbei. Nach diesem Coup gegen Köln will Berlin nun auch den letzten Schritt gehen und die Saison mit dem dritten Meistertitel in Folge krönen. Ganz ehrlich: Wer diese Mannschaft nach all dem noch unterschätzt, glaubt vermutlich auch, dass ein Playoff-Spiel in Köln ein entspannter Abendsspaziergang ist.
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