2.4.2026: Matchpuck vertagt: Eisbären gönnen Straubing noch eine Hauptstadt-Reise
Die Eisbären Berlin hatten in Straubing alles auf dem Schläger, am Ende aber nur das ungute Gefühl, dass Ostersamstag jetzt doch nicht ganz so entspannt wird. Mit 1:2 nach Verlängerung verloren die Berliner Spiel fünf der Viertelfinalserie bei den Tigers und verpassten damit den vorzeitigen Einzug ins Halbfinale. Statt Osterfrieden gibt es also noch einmal Playoff-Lärm in der Hauptstadt. Die Serie steht nun 3:2 für Berlin, und der nächste Matchpuck wartet bereits.
Vor der Partie musste Serge Aubin auf Kapitän Kai Wissmann verzichten, was das Line-up einmal kräftig durch den Mixer jagte. Jean-Sébastien Dea rückte zurück in den Kader, Les Lancaster übernahm den Platz neben Jonas Müller, und auch in der Offensive wurde ein wenig geschoben und sortiert. Klingt erstmal nach Bastelstunde, sollte aber natürlich trotzdem den entscheidenden vierten Sieg bringen.
Dabei begannen die Eisbären ordentlich. Die ganz große Straubinger Anfangswucht blieb zunächst aus, auch weil Berlin selbst munter nach vorne spielte und defensiv wieder ziemlich stabil wirkte. Straubing durfte zwar nach einigen Minuten erstmals etwas länger im Berliner Drittel verweilen, doch Jonas Stettmer hatte gegen die ersten Versuche wenig einzuwenden. Stattdessen schlugen die Eisbären zu: Eric Mik brachte die Scheibe aufs Tor, irgendwo unterwegs wurde sie noch entscheidend abgefälscht und landete zum 1:0 im Netz. Berlin führte, Straubing wurde nervöser, und der erste Schritt in Richtung Halbfinale war gemacht.
Im ersten Drittel blieb die Partie insgesamt intensiv, aber noch ohne die ganz große Theatergruppe auf dem Eis. Es wurde hart gearbeitet, viel gelaufen, ordentlich gekämpft, aber eben nur einmal getroffen. Deshalb nahmen die Eisbären die knappe Führung auch verdient mit in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel kamen die Tigers dann deutlich entschlossener aus der Kabine. Straubing wollte nicht in die Sommerpause geschickt werden und spielte auch genau so. Berlin bekam die Scheibe in einer Szene nicht sauber aus dem Drittel, Wade Allison sagte danke und glich zum 1:1 aus. Damit war die Hoffnung am Pulverturm wieder hellwach, und die Eisbären mussten plötzlich wieder richtig arbeiten. Immerhin blieb die Partie offen. Es gab auf beiden Seiten Möglichkeiten, Diskussionen über eine nicht gepfiffene Szene gegen Tim Fleischer und einige Momente, in denen beide Fanlager vermutlich kollektiv Puls 180 erreichten. Nach 40 Minuten stand es aber weiter 1:1.
Im Schlussdrittel nahm die Spannung dann endgültig Playoff-Format an. Straubing war die aktivere Mannschaft, schnupperte mehrfach am Führungstreffer und setzte Berlin zunehmend unter Druck. Die Eisbären wirkten in dieser Phase eher wie Gäste, die den letzten Bus erwischen wollen, als wie ein Team, das gerade den Halbfinaleinzug klar machen kann. Stettmer hielt stark und bewahrte seine Mannschaft mehrfach vor dem Rückstand. Dass Berlin dann auch noch das erste Powerplay der Partie bekam, hätte die ideale Gelegenheit sein können, dem Abend eine freundliche Wendung zu geben. Tat es aber nicht. Das Überzahlspiel erinnerte eher an alte, unerquicklich bekannte Zeiten aus der Hauptrunde und versprühte ungefähr so viel Gefahr wie ein nasser Pappschläger. Auf der Gegenseite hatte Straubing weiter die besseren Chancen, während Liam Kirk einen Zwei-auf-eins-Konter ungenutzt ließ. Weil beide Teams in der regulären Spielzeit kein weiteres Tor mehr erzielten, ging es in die Verlängerung.
Und weil Straubing gegen Berlin in Overtime-Spielen zuletzt eher schlechte Erinnerungen gesammelt hatte, lag ein kleines Gespenst über dem Eis. Zunächst schien es auch so weiterzugehen, denn die Tigers drängten, doch Stettmer hielt erneut stark. Dann kam allerdings der Moment, den sich Berlin ausgerechnet in der Verlängerung wohl am wenigsten gewünscht hatte: das erste Straubinger Powerplay des Spiels. Elis Hede nutzte diese Gelegenheit in der 68. Minute und traf zum 2:1-Sieg für die Gastgeber. Damit war die Berliner Hoffnung auf einen schnellen Serienabschluss dahin, der Overtime-Fluch der Tigers beendet und die Viertelfinalserie zurück in die Hauptstadt geschickt.
Unterm Strich ist die Niederlage verdient, auch wenn sie aus Berliner Sicht natürlich maximal lästig ist. Die Eisbären haben nach der Führung insgesamt zu wenig investiert, zu wenig Entlastung geschaffen und sich vor allem im dritten Drittel zu sehr hinten reindrängen lassen. Auf Dauer geht das in den Playoffs eben selten gut, schon gar nicht auswärts bei einem Team, das mit dem Rücken zur Wand steht. Die gute Nachricht bleibt aber: Berlin hat weiterhin alles in der eigenen Hand. Die weniger gute: Das Osterfest ist noch nicht ganz playofffrei.
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