24.4.2026: Eisbären zerlegen Mannheim in Finale 1: Sieben Tore, ein Statement und ein ziemlich stilles Ufo
Die Eisbären Berlin haben im ersten Finalspiel der PENNY-DEL-Playoffs direkt einmal sehr freundlich an die Tür der Adler Mannheim geklopft, um anschließend mit der kompletten Offensivabteilung hindurchzumarschieren. Mit 7:3 gewannen die Berliner in der SAP-Arena und nahmen den Mannheimern damit nicht nur Spiel eins ab, sondern auch gleich das Heimrecht. Das war kein vorsichtiges Abtasten, das war eher ein Bewerbungsschreiben um die nächste Meisterschaft – mit Ausrufezeichen, Fettdruck und beigefügtem Highlight-Video.
Trainer Serge Aubin sah offenbar keinen Grund, an seinem erfolgreichen Line-up aus dem entscheidenden Halbfinalspiel in Köln etwas zu verändern. Warum auch? Wer eine Maschine gerade frisch geölt hat, baut ja auch nicht vor der nächsten Ausfahrt den Motor aus. Also gingen die Eisbären mit derselben Formation in dieses erste Finale und wirkten von Beginn an so, als hätten sie den Spielplan nicht nur gelesen, sondern auch schon die Lösungshinweise hinten im Heft gefunden.
Dabei begann die Partie durchaus intensiv. Mannheim wollte vor eigenem Publikum zeigen, dass man nach Jahren ohne Finale wieder bereit ist für die ganz große Bühne. Die Adler bekamen früh ein Powerplay, doch das Berliner Penalty Killing machte da weiter, wo es in diesen Playoffs schon oft überzeugt hatte: Es räumte auf, blockte, störte und ließ kaum etwas Gefährliches zu. Mannheim schoss zwar fleißig, aber vieles davon kam aus Positionen, bei denen Jonas Stettmer vermutlich noch genug Zeit gehabt hätte, zwischendurch einen Kaffee umzurühren.
Die Eisbären dagegen brauchten nicht viele Einladungen. Ihr erstes Powerplay nutzten sie sofort. Die Scheibe kam vor das Tor, blieb dort gefährlich liegen und Liam Kirk sagte artig danke. Nach acht Minuten stand es 1:0 für Berlin. Genau so stellt man sich einen Start in eine Finalserie vor, zumindest aus Berliner Sicht. Aus Mannheimer Perspektive war es eher der Moment, in dem man merkte, dass dieser Abend möglicherweise nicht nur lang, sondern auch unangenehm werden könnte.
Und es wurde unangenehmer. Nur wenige Minuten später ließ Mannheims Torhüter Maximilian Franzreb einen Schuss prallen, Jean-Sébastien Dea stand goldrichtig und erhöhte auf 2:0. Die Adler hatten zwar mehr Abschlüsse, aber Berlin hatte die Tore. Das ist im Eishockey bekanntlich ein nicht ganz unwichtiger Unterschied. Kurz vor der ersten Pause folgte dann der nächste Berliner Stich. Marcel Noebels und Les Lancaster fuhren einen Konter, Lancaster vollendete zum 3:0. Nach 20 Minuten durfte man sich in Mannheim durchaus fragen, ob das wirklich ein Finalauftakt war oder ob die Eisbären versehentlich schon im Meisterschaftsmodus unterwegs waren.
Im zweiten Drittel wurde es aus Berliner Sicht noch schöner, aus Mannheimer Sicht allerdings eher ein Fall für die mentale Erste Hilfe. Die Eisbären kontrollierten das Spiel nahezu nach Belieben. Sie ließen Puck und Gegner laufen, als hätten sie im Training eine neue Übung entdeckt und wollten sie nun vor Publikum vorführen. Mannheim fand kaum Zugriff, wirkte überrascht, gehetzt und phasenweise so, als würde man noch auf die Bedienungsanleitung für diese Berliner Dominanz warten.
Jean-Sébastien Dea war weiterhin auffällig, Freddy Tiffels setzte Ty Ronning in Szene und der kleine Wirbelwind traf zum 4:0. Nur 70 Sekunden später klingelte es schon wieder. Franzreb konnte erneut nur abprallen lassen, Markus Vikingstad nahm das Geschenk an und stellte auf 5:0. Da waren 36 Minuten gespielt, und Spiel eins wirkte bereits entschieden. Nicht offiziell natürlich, denn Playoff-Eishockey ist manchmal ein merkwürdiges Tier. Aber bei 5:0 nach zwei Dritteln sah dieses Tier doch ziemlich zahm aus – zumindest aus Berliner Sicht.
Im Schlussdrittel meldete sich Mannheim dann doch noch an. Kris Bennett traf früh zum 1:5 und sorgte erstmals für echten Jubel in der Arena. Kurz darauf wurde es hitzig. Kai Wissmann checkte Leo Gawanke hart an der Bande und bekam dafür eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Eine harte Entscheidung, denn auch nach mehrmaligem Hinsehen wirkte die Szene eher nach einem wuchtigen Playoff-Zweikampf als nach einem zwingenden Duschbefehl. Der Check war heftig, keine Frage, aber Gawanke hatte kurz zuvor noch den Puck, Wissmann ging in den Zweikampf, und am Ende sah der Aufprall dramatischer aus, als die Szene vielleicht tatsächlich war.
Die Eisbären mussten also fünf Minuten in Unterzahl überstehen. Das gelang, auch weil Jonas Stettmer wieder einmal großartig hielt. Der Berliner Goalie zeigte erneut, warum er in diesen Playoffs so wichtig ist. Trotzdem kam Mannheim kurz danach zum zweiten Treffer. Alexander Ehl verkürzte auf 2:5, und plötzlich wurde es in der SAP-Arena wieder etwas lauter. Die Eisbären hatten ihr Offensivspiel im Schlussabschnitt fast komplett eingestellt und verwalteten den Vorsprung etwas zu gemütlich. Gegen Mannheim ist das ungefähr so ratsam wie ein Picknick auf der Autobahn.
Dallas Eakins ging früh volles Risiko und nahm seinen Torhüter vom Eis. Das zahlte sich zunächst aus. Mitch Reinke fälschte einen Schuss von John Gilmour unglücklich ab, und auf einmal stand es nur noch 5:3. Da war sie wieder, die Hoffnung der Adler. Kurz flackerte sie auf, breitete die Flügel aus und wollte gerade losfliegen. Dann kam Marcel Noebels.
Mannheim nahm erneut den Goalie vom Eis, doch Noebels schickte die Scheibe fast blind Richtung leeres Tor und traf zum 6:3. Damit war die aufkommende Spannung ungefähr so schnell verschwunden, wie sie gekommen war. Liam Kirk legte wenig später noch den nächsten Empty-Netter nach und stellte auf 7:3. Der Brite hatte das Spiel eröffnet und beendete es auch. Sehr ordentlich, sehr effizient, sehr Eisbären.
Mit diesem Sieg setzen die Berliner ein massives Zeichen in der Finalserie. Die ersten 40 Minuten waren eine Machtdemonstration des Titelverteidigers: gnadenlos effektiv, defensiv stabil und offensiv eiskalt. Gleichzeitig waren die letzten 20 Minuten eine Erinnerung daran, dass gegen Mannheim kein Vorsprung zum Einschlafen einladen sollte. Die Adler haben genug Qualität, um Fehler zu bestrafen, und genau deshalb müssen die Eisbären über 60 Minuten konzentriert bleiben.
Trotzdem bleibt nach diesem Auftakt vor allem eines hängen: Berlin ist bereit. Sehr bereit sogar. Die Eisbären haben Mannheim im eigenen Wohnzimmer sieben Tore eingeschenkt und damit deutlich gemacht, dass der Weg zur Meisterschaft auch in dieser Saison wieder nur über die Hauptstadt führt. Wer das nach dieser Hauptrunde so erwartet hatte, darf sich gerne melden. Alle anderen können einfach genießen, was diese Mannschaft in den Playoffs gerade aufs Eis zaubert. Oder besser gesagt: aufs Eis hämmert.
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