30.4.2026: Matchpuck vertagt: Eisbären lassen Mannheim erst hoffen, dann jubeln

Autsch. Das war einer dieser Eishockeyabende, an denen man innerlich schon die Konfettikanone entsichert, die Meisterschale poliert und gedanklich den Sommerurlaub bucht – nur um dann festzustellen: Moment, Mannheim hat da noch etwas dagegen. Die Eisbären Berlin verlieren Spiel vier der Finalserie mit 3:4 nach Verlängerung und verpassen damit die erste Chance, die zwölfte Meisterschaft perfekt zu machen. Die Serie steht nun 3:1 für Berlin, aber der erste Matchpuck ist erst einmal im Fangnetz gelandet.

Dabei sah lange Zeit vieles nach großer Titelparty in der Hauptstadt aus. Ohne den gesperrten Kapitän Kai Wissmann, dafür mit Markus Niemeläinen zurück im Line-up, gingen die Eisbären in ein Spiel, das von Beginn an ordentlich Feuer hatte. Ty Ronning hätte nach nicht einmal einer Minute direkt den Dosenöffner spielen können, scheiterte aber an Johan Mattsson. Auf der anderen Seite zeigte auch Jonas Stettmer früh, dass er keineswegs vorhatte, nur dekorativ im Berliner Tor herumzustehen.

Das erste Drittel war hart umkämpft, intensiv und ein bisschen so, als hätten beide Teams beschlossen, erst einmal zu prüfen, wer heute die stabileren Nerven besitzt. Mannheim musste gewinnen, Berlin wollte den Deckel draufmachen. Heraus kam ein temporeiches, aber torloses erstes Drittel, in dem Marcel Noebels kurz vor der Pause die beste Berliner Chance hatte, den Puck aber nicht im Tor unterbrachte.

Im zweiten Drittel wurde es dann deutlich lauter in der Arena. Les Lancaster traf im Powerplay zum 1:0, und das Dach der Halle bekam vermutlich kurzzeitig Höhenangst. Die Berliner Verteidiger bleiben in diesen Playoffs einfach eine Waffe – und zwar keine kleine Wasserpistole, sondern eher die Kategorie Abrissbirne mit Schlittschuhen. Als Liam Kirk wenig später auf 2:0 stellte, roch es schon verdächtig nach Meisterfeier.

Doch Mannheim dachte gar nicht daran, freiwillig in die Sommerpause zu spazieren. Nicolas Mattinen verkürzte im Powerplay auf 2:1 und brachte die Adler zurück ins Spiel. Die Eisbären hatten zwar weitere Chancen, unter anderem durch Noebels und Andy Eder, aber Johan Mattsson hielt Mannheim im Spiel. Nach 40 Minuten stand es 2:1 – eine Führung, aber eben noch kein Freifahrtschein zur Pokalübergabe.

Als Markus Vikingstad im Schlussdrittel auf 3:1 stellte, war die Arena endgültig bereit für den großen Abend. Berlin war ganz nah dran am Titel, Mannheim ganz nah dran am Saisonende. Doch dann kam diese vierminütige Strafe gegen Markus Niemeläinen wegen hohen Stocks mit Verletzungsfolge – und plötzlich wurde aus der Berliner Meisterparty ein sehr unangenehmer Thriller.

Zach Solow staubte zum 3:2 ab, Mannheim blieb dran, und die Eisbären mussten Schwerstarbeit leisten. Jonas Stettmer hielt sein Team zunächst noch in Führung, doch die Adler hatten Blut geleckt. Drei Minuten vor dem Ende traf Alexander Ehl zum 3:3. Im Gästeblock brach Ekstase aus, auf Berliner Seite eher dieses kollektive Gefühl, wenn man merkt, dass man den Herd angelassen haben könnte.

Fast wäre Mannheim sogar noch vor der Sirene der komplette Party-Crasher gelungen, doch der vermeintliche Treffer kam zu spät. Also Verlängerung. Natürlich. Weil ein mögliches Meisterspiel offenbar nicht ohne maximalen Nervenschaden auskommen wollte.

In der Overtime waren die Eisbären dann wieder klar am Drücker. Berlin spielte, drängte, schoss, kombinierte – nur der Puck wollte nicht rein. Johan Mattsson wurde mehr und mehr zum Mann, der Berliner Torschreie persönlich einsammelte und in eine dunkle Kiste sperrte. Selbst das Gestänge half Mannheim kurz vor Ende der ersten Verlängerung. Es blieb beim 3:3, die Nerven wurden dünner, die Fingernägel kürzer und der Puls wahrscheinlich bei vielen Fans auf Playoff-Endgegner-Niveau.

In der zweiten Overtime hatte Jean-Sébastien Dea früh die Chance auf die Entscheidung, verfehlte aber knapp. Und wie es im Eishockey manchmal so grausam simpel ist: Wer vorne nicht trifft, bekommt hinten einen eingeschenkt. In der 84. Minute traf Luke Esposito zum 4:3 für Mannheim und schickte die Finalserie zurück in die Kurpfalz.

Bitter für die Eisbären, keine Frage. Eine 3:1-Führung verspielt, die erste Titelchance liegengelassen und eine dominante Verlängerung nicht belohnt. Aber: Berlin führt in der Serie weiterhin mit 3:1. Der nächste Matchpuck wartet bereits in Mannheim. Die Konfettikanone muss also noch nicht eingemottet werden – sie bekommt nur eine kleine Denkpause.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

28.9.2025: Chancen für drei Spiele – Punkte für keines: Eisbären scheitern an Eriksson und sich selbst

23.10.2025: Eisbären-Schocktherapie in München: Siegesserie endet bei den Roten Bullen

10.10.2025: 3:2 OT Sieg in Frankfurt: Die Eisbären zwischen Krankenstation und Kampfgeist