8.4.2026: 6:3 zum Halbfinal-Auftakt: Die Eisbären lassen Köln staunen und Moritz Kretzschmar entdeckt ganz nebenbei das Toreschießen
Besser kann man in ein Playoff-Halbfinale kaum starten: Die Eisbären Berlin haben Spiel eins gegen die Kölner Haie mit 6:3 gewonnen und damit direkt ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Während Köln als Hauptrundensieger und Favorit in die Serie gegangen war, lief der Abend in der Hauptstadt eher nach dem Motto: Schön, dass ihr da seid, aber die Punkte bleiben hier. Vor allem Moritz Kretzschmar dürfte diesen Mittwoch nicht so schnell vergessen. Der Youngster erzielte seine ersten beiden DEL-Tore – und das ausgerechnet gegen Janne Juvonen, also gegen den Goalie, an dem sich sonst regelmäßig ganze Offensivreihen die Zähne ausbeißen. Nicht schlecht für einen Abend, an dem andere vermutlich schon mit einem gelungenen ersten Wechsel zufrieden gewesen wären.
Vor dem Spiel hatte Serge Aubin sein Line-up leicht angepasst. Marcel Noebels war wieder mit dabei und rückte in die Reihe zu Liam Kirk und Andreas Eder. Jean-Sébastien Dea fehlte dagegen im Kader. In der vierten Reihe kam Les Lancaster in den Angriff, was wiederum auch die Defensive neu sortierte. Dort bekam Kretzschmar mehr Verantwortung – und offenbar dachte er sich, wenn schon mehr Eiszeit, dann auch bitte gleich mit maximalem Ertrag. Im Tor setzte Aubin auf Jonas Stettmer, was sich am Ende als goldrichtige Entscheidung herausstellen sollte.
Die Eisbären legten los, als hätten sie vor dem ersten Bully kollektiv beschlossen, jede Kölner Gemütlichkeit im Keim zu ersticken. Adam Smith eröffnete den Abend mit dem 1:0, als Juvonen bei Vier-gegen-Vier nicht gerade seine stabilste Szene des Jahres hatte. Kurz darauf folgte schon der nächste Berliner Nadelstich: Kretzschmar wurde stark freigespielt, hatte viel Platz und nutzte ihn eiskalt zum 2:0. Ein Traumstart für Berlin und ein Albtraumstart für Köln, das sich vermutlich kurz fragte, ob man versehentlich wieder in der Finalserie des Vorjahres gelandet war.
Ganz so widerstandslos wie 2025 präsentierten sich die Haie dann aber doch nicht. In Überzahl verkürzte Valtteri Kemiläinen auf 2:1 und zeigte, dass Köln sehr wohl Antworten finden kann. Danach entwickelte sich ein temporeiches, intensives Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Berlin nahm die knappe Führung mit in die erste Pause, hatte aber schon zu diesem Zeitpunkt den Eindruck hinterlassen, dass an diesem Abend einiges möglich sein würde.
Im zweiten Drittel machten die Eisbären dann aus einem guten Auftakt einen fast schon frechen Abend. Zunächst erhöhte Marcel Noebels auf 3:1, kurz darauf legte Jonas Müller das 4:1 nach. Berlin war brutal effektiv, kaltschnäuzig und in den entscheidenden Momenten immer einen Schritt schneller. Köln investierte zwar, kam aber gegen einen starken Jonas Stettmer und eine auffällig entschlossene Berliner Mannschaft nicht richtig in den Rhythmus. Dass Patrick Russell in Unterzahl auf 4:2 verkürzte, sorgte nur kurz für etwas Hoffnung auf Kölner Seite. Denn dann schlug wieder Kretzschmar zu und stellte mit seinem zweiten Treffer auf 5:2. Zwei DEL-Tore in einem Playoff-Halbfinale gegen den vermutlich besten Torhüter der Liga – da darf man schon mal prüfen, ob der Puck nicht als persönlicher Glücksbringer mit nach Hause genommen wurde.
Überhaupt war das Torhüterduell einer der entscheidenden Faktoren. Stettmer strahlte Ruhe aus, parierte stark und hielt sein Team immer dann stabil, wenn Köln Druck aufbauen wollte. Auf der anderen Seite lief bei Juvonen wenig zusammen, und nach fünf Gegentoren war zu Beginn des Schlussdrittels Feierabend. Felix Brückmann übernahm für ihn, was vor dem Spiel wohl kaum jemand auf dem Zettel gehabt hätte. Wenn ein Torhüter wie Juvonen früh runter muss, sagt das viel darüber aus, wie kompromisslos der Gegner seine Chancen genutzt hat.
Im letzten Drittel verwalteten die Eisbären ihren Vorsprung souverän. Köln fand keinen Weg mehr zurück, auch weil Stettmer weiterhin aufmerksam blieb. Die Berliner mussten nicht mehr volles Risiko gehen, blieben aber gefährlich und nutzten die Fehler der Haie konsequent aus. Als Köln in der Schlussphase alles nach vorne warf und den Goalie vom Eis nahm, sorgte Les Lancaster mit dem Treffer ins leere Tor für das halbe Dutzend. Gregor MacLeod setzte mit dem 6:3 den letzten Treffer des Abends, änderte am Ausgang der Partie aber nichts mehr.
Am Ende stand ein hochverdienter Berliner Sieg, der Lust auf mehr macht. Die Eisbären waren von Beginn an wach, defensiv stabil, vorne gnadenlos effizient und hatten mit Jonas Stettmer den klar besseren Goalie zwischen den Pfosten. Dazu kommt mit Moritz Kretzschmar ein junger Spieler, der sich an diesem Abend nicht nur in den Spielberichtsbogen, sondern direkt in die Schlagzeilen geschossen hat. Natürlich ist es in einer Playoff-Serie nur ein erster Schritt und Köln wird sich steigern. Aber dieser Auftakt war genau die Art von Statement, mit der man einen Favoriten ins Grübeln bringen kann. Oder etwas weniger diplomatisch gesagt: Die Eisbären haben den Haien in Spiel eins schon mal gezeigt, dass auch ein Hauptrundensieger ziemlich schnell ins Schwimmen geraten kann.
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