3.5.2026: Zwölfter Titel, dritte Meisterschaft in Folge: Die Eisbären Berlin machen Mannheim zum Partyraum
Manchmal schreibt der Sport Geschichten, bei denen man zwischendurch prüft, ob nicht heimlich jemand das Drehbuch mit Glühwein, Galgenhumor und sehr viel Berliner Trotz verfasst hat. Die Saison der Eisbären Berlin war genau so eine Geschichte. Zum Jahreswechsel und selbst noch zur Olympiapause wirkte die zwölfte deutsche Meisterschaft ungefähr so wahrscheinlich wie ein entspannter Abend in einer Playoff-Serie gegen Mannheim. Und doch stehen die Eisbären am Ende wieder ganz oben. Zum zwölften Mal Deutscher Meister. Zum dritten Mal in Folge DEL-Champion. Und das ausgerechnet auf dem Eis des Erzrivalen Adler Mannheim.
Mit einem 4:1-Auswärtssieg in Spiel fünf beendeten die Berliner die Finalserie und machten aus der SAP-Arena kurzerhand ihre Außenstelle für Meisterfeiern. Mannheim musste gewinnen, Berlin durfte feiern. Am Ende entschied sich der Abend recht eindeutig für Konfetti, Pokal und ein breites Grinsen in Blau-Weiß-Rot.
Serge Aubin nahm im Vergleich zum vierten Finalspiel nur eine kleine Änderung vor. Adam Smith und Mitch Reinke tauschten die Verteidigerpartner, ansonsten blieb alles wie gehabt. Warum auch groß umbauen, wenn der Playoff-Zauber ohnehin schon wieder durch die Kabine schwebte? Aubin gewann damit seine 15. Playoff-Serie mit den Eisbären im 15. Versuch. Das ist keine Bilanz mehr, das ist langsam ein Fall für die Geschichtsbücher, die Statistikabteilung und vermutlich auch für gegnerische Albträume.
Die Mannheimer Fans waren vor dem ersten Bully bereit für den großen Kampf. Die Arena stand, die Stimmung kochte, das Ufo bebte. Nur hatten die Eisbären offenbar vergessen, sich davon beeindrucken zu lassen. Statt einer wuchtigen Adler-Drangphase störten die Berliner früh, gingen aggressiv ins Forechecking und nahmen Mannheim immer wieder den Rhythmus. Liam Kirk setzte die ersten Akzente, Zach Solow hatte auf der Gegenseite eine dicke Möglichkeit, doch Jonas Stettmer blieb im Berliner Tor so ruhig, als würde er nebenbei nur den Einkaufszettel sortieren.
Das erste Powerplay der Adler brachte viel Lautstärke, aber keinen Ertrag. Im Gegenteil: Berlin war sogar nah dran, in Unterzahl zuzuschlagen. Kurz vor der ersten Pause wurde es dann im Gästeblock richtig laut. Freddy Tiffels eroberte stark die Scheibe, Ty Ronning vollendete zum 1:0. Ein Tor zu einem Zeitpunkt, der psychologisch ungefähr so angenehm für Mannheim war wie ein Wecker am Montagmorgen nach einer langen Finalnacht.
Nach Wiederbeginn legten die Eisbären sofort nach. Gerade einmal 77 Sekunden waren im zweiten Drittel gespielt, da jagte Liam Kirk den Puck per Onetimer zum 2:0 ins Mannheimer Tor. Die Adler hatten anschließend durchaus Chancen, ließen aber unter anderem ein Zwei-auf-null liegen, das aus Berliner Sicht vermutlich unter der Kategorie herzlich willkommen verbucht wurde. Mannheim drückte, Mannheim schoss, Mannheim probierte. Doch da war immer wieder Jonas Stettmer.
Der junge Goalie spielte erneut überragend und machte klar, dass er in diesen Playoffs nicht nur mitmachen wollte. Er war einer der großen Gründe, warum die Eisbären auch in den schwierigen Phasen standhielten. Gerade im zweiten Drittel hatte Mannheim mehr vom Spiel, aber Stettmer hielt die Berliner Führung fest. Und wer nach Spiel vier noch wusste, dass eine Zwei-Tore-Führung gegen Mannheim kein Wellness-Gutschein ist, der ahnte: Hier war noch längst nichts vorbei.
Im Schlussdrittel aber zeigten die Eisbären, dass sie aus dem verspielten Vorsprung im vorherigen Spiel gelernt hatten. Sie verteidigten konzentriert, blieben aktiv und warteten nicht nur darauf, dass die Uhr gnädig herunterläuft. In der 44. Minute war dann wieder Ty Ronning zur Stelle. Der kleine Wirbelwind, der zuletzt etwas abgetaucht war, meldete sich mit seinem zweiten Treffer des Nachmittags eindrucksvoll zurück und stellte auf 3:0. Damit war in der SAP-Arena endgültig der Stecker gezogen. Zumindest bei vielen Heimfans. Im Gästeblock dagegen wurde innerlich wohl schon die Getränkekarte für die Meisterparty studiert.
Mannheim versuchte am Ende noch einmal alles. Der Torhüter ging vom Eis, ein sechster Feldspieler kam, Luke Esposito bekam sogar noch einen Penalty. Doch Stettmer hielt auch diesen Versuch und setzte seiner Leistung fast noch die Krone auf. Fast, weil Marc Michaelis später in Überzahl den Shutout verhinderte. Eric Mik hatte zuvor ins leere Tor getroffen, am Ende stand ein 4:1 für Berlin auf der Anzeigetafel.
Dann war es vollbracht. Die Eisbären Berlin sind zum zwölften Mal Deutscher Meister. Nach einer Saison voller Verletzungen, Zweifel und zwischenzeitlicher Fragezeichen fanden sie genau im richtigen Moment ihre Form. Fünf Siege zum Hauptrundenende waren das erste Signal. In den Playoffs räumten sie erst Straubing, dann Köln und schließlich Mannheim aus dem Weg. Das Playoff-Monster aus Berlin hatte wieder Hunger, und wie so oft wurde es erst satt, als der Pokal in den eigenen Händen lag.
Diese Meisterschaft ist ein echtes Meisterstück. Nicht, weil alles leicht war, sondern weil so lange so wenig danach aussah. Die Eisbären haben sich durchgebissen, neu sortiert, gesteigert und im entscheidenden Moment geliefert. Mannheim blieb am Ende nur die bittere Rolle des Gastgebers einer Berliner Krönungsfeier. Für die Adler schmerzhaft, für die Eisbären historisch, für die Fans aus der Hauptstadt unvergesslich.
Und während in Mannheim nach der Schlusssirene Pfiffe durch die Arena gingen, feierten die Berliner ihren nächsten großen Triumph. Zwölf Titel, drei Meisterschaften in Folge, 15 gewonnene Playoff-Serien unter Serge Aubin. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Diese Eisbären sind einfach nicht normal. Aber genau das macht sie ja so meisterlich.
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