17.09.2026 – 4:2 gegen Straubing: Neues Kapitel, alter Eisbären-Reflex
Da hängt es nun also. Meisterbanner Nummer zwölf. Zwölf! Man muss sich diese Zahl gelegentlich selbst vor Augen führen, um zu begreifen, was wir Eisbären-Fans in den vergangenen Jahren erleben durften. Aber während das neue Banner noch unter das Dach der Arena gezogen wurde, begann unten auf dem Eis bereits etwas Neues. Die Ära nach Serge Aubin. Éric Dubois heißt der neue Mann hinter der Bande – und sein erstes DEL-Spiel als Cheftrainer der Eisbären endete gleich einmal so, wie wir es mögen: mit drei Punkten.
4:2 gegen die Straubing Tigers. Klingt nach einem relativ entspannten Saisonauftakt. War es lange Zeit auch. Und dann waren es eben doch wieder die Eisbären. Warum einen Donnerstagabend gemütlich ausklingen lassen, wenn man kurz vor Schluss noch ein bisschen Puls gebrauchen kann?
Bevor gespielt wurde, gab es zunächst Gänsehaut. Die Meisterschaft 2026 wurde noch einmal gefeiert, das zwölfte Meisterbanner wanderte unter das Hallendach. Ein schöner letzter Blick zurück, bevor die neue Saison endgültig begann.
Der Start auf dem Eis war dagegen eher Kategorie Sommerrost. Beide Mannschaften mussten offenbar erst wieder herausfinden, wofür diese schwarze Scheibe eigentlich gedacht ist. Dazu kam der Protest beider Fanlager gegen die ungeliebten Donnerstagsspiele. Bis zum ersten Powerbreak blieb es ruhig, die Straubinger Fans verließen zeitweise sogar fast vollständig ihren Block. Ein Saisonauftakt mit angezogener Handbremse – auf den Rängen und zunächst auch auf dem Eis.
Dann wurde es langsam besser. Liam Kirk hatte eine gute Möglichkeit, Ty Ronning ebenfalls, aber Straubings neuer Torhüter Jakub Skarek hielt. Bis Manuel Wiederer in der 17. Minute offenbar genug vom vorsichtigen Abtasten hatte. Lücke gefunden, Scheibe ins lange Eck, 1:0. Das erste Eisbären-Tor der DEL-Saison 2026/27 gehört also Manuel Wiederer.
Im zweiten Drittel sah das Ganze dann schon wesentlich mehr nach Eisbären-Hockey aus. Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, als Liam Kirk nach Vorarbeit von Jonas Müller und Ty Ronning das 2:0 erzielte. Besonders schön daran: Kirk trifft gleich im ersten Saisonspiel. Wenn er sich diesmal das längere Suchen nach dem Tor-Gefühl erspart, hätte ich überhaupt nichts dagegen.
Danach kam der erste große Auftritt eines Mannes, auf den wir in dieser Saison vermutlich noch häufiger schauen werden: Jack LaFontaine. Der neue Eisbären-Torhüter bekam gleich bei seinem DEL-Debüt die Gelegenheit, sich vorzustellen – und Straubing half kräftig dabei.
Zweimal mussten die Eisbären in doppelter Unterzahl ran. Erst 40 Sekunden, dann noch einmal 41 Sekunden mit drei gegen fünf. Eigentlich die perfekte Einladung für die Tigers, das Spiel wieder spannend zu machen. LaFontaine hatte allerdings andere Pläne. Vor allem sein Save mit dem Schläger auf der Linie war eines dieser kleinen Ausrufezeichen, bei denen eine ganze Halle sofort weiß: Den merken wir uns.
Überhaupt wirkte LaFontaine erstaunlich ruhig. Kein hektisches Herumrutschen, keine große Show. Einfach da sein, wenn man gebraucht wird. Für ein erstes DEL-Spiel war das schon ziemlich überzeugend.
Und vorne? Da haben wir ja noch Kirk und Ronning.
In der 37. Minute durften die beiden gemeinsam losziehen. Zwei gegen eins, Kirk und Ronning – da möchte man als Verteidiger wahrscheinlich spontan einen anderen Beruf ergreifen. Ronning vollendete zum 3:0. Spätestens jetzt sah der Saisonauftakt ausgesprochen gemütlich aus.
3:0 nach zwei Dritteln, LaFontaine stark, Unterzahl überstanden, Kirk und Ronning bereits auf Betriebstemperatur. Was sollte da noch passieren?
Nun ja. Wir reden von den Eisbären.
Bis zur 51. Minute war tatsächlich alles in Ordnung. Dann durfte Adrian Klein etwas zu einfach vor das Berliner Tor kommen und verkürzte auf 3:1. Noch kein Grund zur Panik. Als Stefan Loibl 3:48 Minuten vor Schluss allerdings das 3:2 erzielte, war die schöne Gemütlichkeit endgültig vorbei.
Aus einem souveränen Saisonauftakt war plötzlich eine dieser Schlussphasen geworden, in denen man sich fragt, warum man sich dieses Hobby eigentlich ausgesucht hat. Die Eisbären waren zu passiv geworden und Straubing nahm die Einladung dankend an.
Zum Glück dauerte die unnötige Zitterei nicht bis zur letzten Sekunde. Straubing nahm den Torhüter vom Eis und Eric Mik schickte die Scheibe 68 Sekunden vor Schluss ins leere Tor. 4:2. Deckel drauf. Durchatmen.
Und so bleibt unter dem Strich ein gelungener Auftakt. Drei Punkte gegen eine Mannschaft, die uns in der vergangenen Hauptrunde ziemlich geärgert hatte. Ein starkes DEL-Debüt von Jack LaFontaine. Liam Kirk und Ty Ronning haben schon im ersten Spiel gezeigt, welches Vergnügen sie für uns – und welches Problem sie für gegnerische Abwehrreihen – werden können. Manuel Wiederer gehört das erste Saisontor. Und Éric Dubois hat seinen ersten DEL-Sieg als Eisbären-Cheftrainer in der Tasche.
Dass es nach einem 3:0 noch einmal eng wurde, darf gerne unter „Verbesserungspotenzial“ abgeheftet werden. Eine Saison ist schließlich lang genug, um an solchen Dingen zu arbeiten.
Das Wichtigste nach diesem ersten Abend aber ist: Das zwölfte Meisterbanner hängt unter dem Dach, die Vergangenheit ist gebührend gefeiert – und unten auf dem Eis hat die neue Geschichte mit einem Sieg begonnen.
1 Spiel. 3 Punkte. Kann weitergehen.
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