20.9.2026: 2:0 nach zwei Minuten in Mannheim – und am Ende stehst du mit leeren Händen da
Wenn du in Mannheim nach nicht einmal zwei Minuten mit 2:0 führst, dann gibt es eigentlich nur einen vernünftigen Plan: Den Adlern zeigen, dass sie heute einen richtig beschissenen Nachmittag bekommen. Stattdessen haben die Eisbären beschlossen, den Gastgeber möglichst schnell wieder aufzubauen. Kann man machen. Muss man aber wirklich nicht.
Dabei begann dieses Spiel aus Berliner Sicht geradezu unverschämt gut. Jonas Müller traf praktisch mit dem ersten Angriff zum 1:0, Ty Ronning legte kurz darauf das 2:0 nach. Zwei Minuten gespielt, zwei Tore vorne, auswärts in Mannheim. Ich gebe zu: Für einen kurzen Moment dachte ich, das könnte heute richtig lustig werden.
War es dann auch. Nur leider eher für Mannheim.
Denn anstatt nach diesem Traumstart Ruhe in die Partie zu bringen und den Gegner erst einmal darüber nachdenken zu lassen, was hier gerade passiert, machten die Eisbären das Gegenteil. Anthony Greco durfte schon in der vierten Minute verkürzen, Matthias Plachta stellte in der zehnten Minute auf 2:2. Acht Minuten hatten gereicht, um aus einer komfortablen Führung wieder ein komplett offenes Spiel zu machen.
Und genau darüber kann ich mich ärgern. Natürlich spielt auf der anderen Seite Mannheim und nicht irgendeine Hobbytruppe vom Sonntagnachmittag. Natürlich können die Adler Eishockey spielen. Aber wenn ich auswärts bei einem solchen Gegner nach zwei Minuten 2:0 führe, dann muss ich diese Situation cleverer spielen. Keine Kunststücke, kein Hurra-Eishockey – einfach konzentriert bleiben und den Gegner arbeiten lassen. Stattdessen bekam Mannheim genau die schnelle Antwort, die es brauchte.
Im zweiten Drittel folgte dann das 3:2 durch Tom Kühnhackl. Spätestens jetzt war von diesem fantastischen Berliner Start endgültig nichts mehr übrig. Die Eisbären waren keineswegs chancenlos, aber immer wieder fehlte die letzte Konsequenz. Und dann war da noch das Powerplay.
Oder nennen wir es lieber: zwei Minuten, in denen man darauf wartet, dass wieder fünf Berliner auf dem Eis stehen.
Da muss deutlich mehr kommen. Überzahl sollte Druck erzeugen, den Gegner müde machen und im Idealfall Tore bringen. Bei den Eisbären wirkte sie dagegen viel zu häufig wie eine Phase, in der Mannheim relativ entspannt Zeit von der Uhr nehmen konnte. Natürlich wird sich zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison noch vieles einspielen müssen. Aber ein Powerplay darf gerne schon im September so aussehen, als hätte man grundsätzlich vor, die numerische Überlegenheit auch zu nutzen.
Immerhin zeigte die Mannschaft Moral. Manuel Wiederer erzielte in der 49. Minute das 3:3. Und da war sie plötzlich wieder, diese Hoffnung: Vielleicht klaut man dieses Spiel am Ende doch noch. Vielleicht wird aus einem verschenkten 2:0 doch noch ein Auswärtssieg. Vielleicht ärgern sich diesmal die anderen.
Exakt 69 Sekunden hielt dieser schöne Gedanke.
Dann traf Justin Schütz zum 4:3.
Das ist eigentlich die Szene, die dieses Spiel für mich am besten beschreibt. Du kämpfst dich zurück, hast das Momentum gerade wieder auf deine Seite gezogen – und kaum hat man sich auf dem Sofa richtig über den Ausgleich gefreut, liegt der Puck schon wieder im eigenen Tor. Das darf einfach nicht so schnell passieren.
Und nein, jetzt muss niemand die Saison beerdigen. Wir haben gerade einmal zwei Spiele gesehen. Zum Auftakt gab es ein 4:2 gegen Straubing, nun die erste Niederlage in Mannheim. Kai Wissmann war wieder dabei, Freddy Tiffels ebenfalls, und offensiv haben die Eisbären immerhin dreimal getroffen. Es gibt wahrlich schlimmere Ausgangslagen.
Trotzdem darf diese Niederlage wehtun. Vielleicht muss sie das sogar.
Denn Mannheim war an diesem Nachmittag nicht unschlagbar. Im Gegenteil: Die Eisbären hatten die Adler nach zwei Minuten genau dort, wo man sie haben wollte. 2:0 vorne, Halle erst einmal ruhiggestellt, Gegner unter Druck. Viel besser kann man in so ein Auswärtsspiel kaum starten.
Und dann schenkt man diesen Vorteil innerhalb weniger Minuten wieder her.
Am Ende steht ein 3:4 und die erste Niederlage der Saison. Nicht dramatisch. Nicht besorgniserregend. Aber vollkommen unnötig.
Und unnötige Niederlagen ärgern mich immer noch am meisten.
Vor allem, wenn man nach zwei Minuten schon 2:0 führt.
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